Bundeskriminalamt (BKA)

ViC­LAS als un­ter­stüt­zen­de Fall­da­ten­bank

  • Datum:01. Dezember 2006

Neben den fallanalytischen Methoden wurde eine spezielle Software für eine Falldatenbank im Bereich der besonders schwerwiegenden, sexuell assoziierten Gewaltkriminalität entwickelt, die auf die fallanalytische Philosophie aufbaut. In dieser Falldatenbank werden die erfassten Fälle umfassend kategorisiert und die vom Täter gezeigten Verhaltensweisen recherchierbar abgespeichert.

In Nordamerika wurde zunächst vom FBI Mitte der 1980er Jahre die Falldatei "Violent Criminal Apprehension Program (ViCAP)" entwickelt. Darauf aufbauend wurde Anfang der 1990er Jahre von der Royal Canadian Mounted Police (RCMP) das Datenbanksystem "Violent Crime Linkage Analysis System (ViCLAS)" entwickelt. Dieses wird derzeit weltweit in zwölf Staaten (Kanada, Großbritannien, Deutschland, Niederlande, Belgien, Österreich, Schweiz, Tschechische Republik, Irland, in drei Bundesstaaten der USA, Australien und Neuseeland) eingesetzt.

Das Datenbanksystem dient vornehmlich dazu, Straftaten im Bereich der schweren sexuell assoziierten Gewaltkriminalität unter fallanalytischen Gesichtspunkten zu erfassen und sie effizient recherchieren zu können. Durch die Codierung der Fallmerkmale kann jeder erfasste Fall im Rahmen einer Recherche anhand seiner Merkmale in der Gesamtmenge der gespeicherten Fälle recherchiert werden. In einem sich anschließenden Vergleich des Ausgangsfalles mit den bei der Recherche getroffenen Fällen werden die Merkmale und die Fallgestalt einer fallanalytischen Gesamtbewertung unterzogen. Gelangt der Fallanalytiker zu der Überzeugung, dass mehrere Fälle einem Täter zuzuordnen sind, wird ein fallanalytisch begründeter Tatzusammenhangsverdacht als Ermittlungshinweis an die jeweils ermittelnden Polizeidienststellen schriftlich mitgeteilt.

In der deutschen ViCLAS-Datenbank werden grundsätzlich nur Fälle der sexuell assoziierten Gewaltkriminalität (inkl. Tötungsdelikte) erfasst, bei denen das Opfer den Täter nicht näher kannte. Beziehungsdelikte werden nur dann erfasst, wenn eine besondere Tatbegehungsweise vorliegt und eine Wiederholungsgefahr begründet werden kann. Die deutsche ViCLAS-Datenbank ist seit dem 7. Juni 2000 im Wirkbetrieb, bisher sind ca. 26.000 Fälle erfasst.