Bundeskriminalamt (BKA)

1952_Gebäude des Kriminaltechnischen Instituts 1952_Gebäude des Kriminaltechnischen Instituts 1952_Gebäude des Kriminaltechnischen Instituts

1946: Der 01.01.1946 ist das offizielle Gründungsdatum des Kriminalpolizeiamts der Britischen Zone (KPABrZ) mit der Kriminaltechnischen Anstalt in Hamburg.

1949: Umbenennung der Kriminaltechnischen Anstalt des KPABrZ in Kriminaltechnisches Institut.

1951: Das Gesetz über die Einrichtung eines Bundeskriminalpolizeiamtes (Bundeskriminalamtes) tritt in Kraft. Die Bundesregierung bestimmt Wiesbaden zum Sitz des BKA:

1951: Überführung des KPABrZ in die Verwaltung des Bundes. Es wird als „Außenstelle Hamburg“ zum Grundstock des BKA. Mit Einrichtung des BKA wird das KTI als selbständige Abteilung in die Organisation des Bundeskriminalamts eingegliedert. In Wiesbaden gibt es zunächst keine Gebäude.

1952: Das Kriminaltechnische Institut siedelt als erste Abteilung von Hamburg nach Wiesbaden in eine ehemalige Jugendherberge um (heute: W 1, E-Gebäude).

1953: Richtfest für den Neubau des BKA in Wiesbaden

2008 Einweihung des neuen Gebäudes des Kriminaltechnischen Instituts im Standort II in Wiesbaden 2008 Einweihung des neuen Gebäudes des Kriminaltechnischen Instituts im Standort II in Wiesbaden 2008 Einweihung des neuen Gebäudes des Kriminaltechnischen Instituts im Standort II in Wiesbaden

November 1972: Das KTI bezieht mit einem großen Teil der Mitarbeiterschaft ein neues Laborgebäude in Wiesbaden (heute: W 1, F-Gebäude). Geplant war es für 80 Arbeitsplätze, doch im Zuge der Bekämpfung des RAF-Terrorismus wächst die Mitarbeiterschaft des Instituts rasch auf 150 Beschäftigte an.

Juni 2005: Grundsteinlegung des Neubaus für das Kriminaltechnische Institut. Die Abteilung umfasst mittlerweile etwa 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Oktober 2007: Einzug in das neue KT-Gebäude in der Äppelallee 45. Auf 12.500 m² Hauptnutzfläche finden inzwischen 340 Mitarbeiter Platz. Im Februar 2008 erfolgt die offizielle Einweihung durch den damaligen Bundesinnenminister Schäuble.

2009: Das KTI feiert sein 60-jähriges Bestehen.

Spektakuläre Fälle in der Historie des KTI

1969: Bei dem sogenannten "Soldatenmord in Lebach" werden bei dem Überfall auf ein Munitionsdepot der Bundeswehr bei Lebach/Saarland vier Soldaten getötet und Munition entwendet. Die Untersuchung der am Tatort sichergestellten Projektile und Hülsen ließ Rückschlüsse auf die verwendeten Waffentypen zu und man gelangte unter anderem dadurch zu den Tätern.

RAF-Stern

1977: Generalbundesanwalt Buback, sein Chauffeur sowie der Chef der Fahrbereitschaft der Bundesanwaltschaft werden auf der Fahrt zum Bundesgerichtshof Opfer eines Mordanschlages durch die RAF. Als das Dienstfahrzeug an einer roten Ampel hält, feuern zwei Terroristen von einem Motorrad aus mit Automatikwaffen auf den Wagen. Einer der Täter, der Terrorist Günter Sonnenberg, kann aufgrund seiner Unterschrift auf dem Mietvertrag des unter Falschnamen angemieteten Motorrades ermittelt werden.

1977: Der Arbeitgeber-Präsident Hanns Martin Schleyer, für die Terroristen eine der Symbolfiguren des verhassten Kapitalismus, wird von der RAF entführt. Briefe an seine Familie und Schreiben, die Schleyer in der Entführungslage verfasst, gelangen zur Untersuchung auf versteckte Informationen und Echtheit des "Absenders" zu den Handschriften-Experten des KTI.
Schleyer wird nach 43 Tagen Geiselhaft am 19. Oktober 1977 durch die RAF getötet.)

Hitlertagebücher

1983: Im April 1983 erklärt das Magazin "Stern", Adolf Hitlers geheime Tagebücher befänden sich in seinem Besitz. Entdeckt wurden die angeblichen Tagebücher von dem Reporter Gerd Heidemann, der sie Konrad Kujau für 9,3 Millionen D-Mark abgekauft hatte. Nach Kujau seien die Tagebücher - 60 Bände - in einem kurz vor Kriegsende in Sachsen abgestürzten Flugzeug gefunden worden. Die Fälschung der Tagebücher wird durch Materialuntersuchungen festgestellt. Diese ergeben unter anderem, dass das Papier bestimmte Aufhellertypen enthält, die erst ab 1955 im Handel erhältlich waren.

1984-85: Eine mysteriöse Mordserie ereignet sich in der schwäbischen Provinz. Der Täter lauert seinen Opfern in der Nähe von einsamen Waldparkplätzen auf und tötet sie durch Kopfschüsse. Nach den Morden benutzt er die Autos seiner Opfer zu Banküberfällen. Mit einem Vorschlaghammer zertrümmert er die Scheiben der Bankschalter und erpresst Bargeld. Kurz bevor die Serie aufgeklärt wird, nimmt der Täter, ein Polizist, seiner Familie und dann sich selbst das Leben. Kriminaltechnische Untersuchungen der Dienstwaffe des Polizisten Poehlke und ballistische Untersuchungen sichern die Aussage, dass mit dieser Pistole die Parkplatzopfer getötet wurden und er die Familie und sich selbst erschossen hat. Unter dem Titel "Hammermörder" ging der Fall durch die Presse.

Herrhausen

1989: Am 30. November 1989 fällt der Vorstandssprecher der Deutschen Bank AG Alfred Herrhausen einem Attentat der RAF zum Opfer. Sein Auto wird in der Nähe seiner Wohnung in die Luft gesprengt. Die kriminaltechnische Untersuchung ergeben die Bestimmung des Sprengstoffs und die Rekonstruktion von Aufbau und Funktionsweise der Sprengvorrichtung. Ein Täter wird jedoch nie ermittelt.

1988-1993: Zwischen 1988 und 1993 verübt der Kaufhaus-Erpresser Arno Funke alias "Dagobert" insgesamt sechs Anschläge auf das Berliner Kaufhaus des Westens und auf Karstadt-Filialen in Norddeutschland. Bei einer Erpressung kassiert er 500.000 D-Mark. Danach folgt eine Serie von teils spektakulären, aber gescheiterten Geldübergaben. Als er im April 1994 in einer Telefonzelle Anweisungen für eine neue Übergabe geben will, wird er gestellt. Die Untersuchung der verschiedenen vom Täter bereitgestellten Geldübergabevorrichtungen sowie die Auswertung von Aufzeichnungen der Stimme bei seinen Anrufen halfen den Täter zu überführen.

1991/2001: Am 1. April 1991 wird der Vorstandsvorsitzende der Treuhandanstalt Karsten Rohwedder durch RAF-Terroristen erschossen. Unter den am Tatort gesicherten Asservaten befinden sich auch wenige Haare, die erst viele Jahre später dank einer neu entwickelten DNA-Untersuchungsmethode auf den RAF-Terroristen Wolfgang Grams hinweisen.

Synagoge Djerba

2002: Bei der Explosion eines mit Flüssiggas beladenen Tanklastwagens vor einer Synagoge in Djerba, Tunesien, kommen am 11. April 19 Menschen ums Leben, 25 Personen werden schwer verletzt. Erst durch Kriminaltechniker und Tatortbeamte des BKA vor Ort kann verifiziert werden, dass es sich um einen Anschlag handelt.

Gutenberg Gymnasium

2002: Am Vormittag des 26.04.2002 schreiben am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt die Abiturienten ihre Prüfungen. Innerhalb von 15 Minuten geschieht dann das Unfassbare: Ein ehemaliger Schüler, der 19-jährige Robert Steinhäuser, erschießt innerhalb von 15 Minuten zwölf Lehrerinnen und Lehrer, eine Schülerin und einen Schüler, die Schulsekretärin und einen Polizeibeamten. Anschließend tötet er sich selbst mit einem Kopfschuss. KT 21 gelingt eine bemerkenswerte Rekonstruktion des Tathergangs.

2004: Ein Tsunami, der die Küste Thailands in Folge eines Erdbebens im Indischen Ozean am 26. Dezember 2004 trifft, kostet über 200.000 Menschen das Leben. Unter ihnen sind auch zahlreiche deutsche Urlauber. Die Identifizierungskommission (IDKO) des BKA, aber auch viele Freiwillige, die die Arbeit der IDKO bis dahin nur aus der Ferne kannten, werden zur Unterstützung herangezogen.

Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)

2012: Zur Aufklärung der Mordserie des ‚Nationalsozialistischen Untergrunds’ beteiligt sich die KT des BKA an der sog. BAO Trio, einer Besondere Aufbauorganisation, die sich mit der Aufarbeitung und Ermittlung der Serie befasst. Mit dem Selbstmord zweier der Täter kurz vor der bevorstehenden Festnahme in Folge eines Bankraubs kommen die Ermittlungen eines enormen Tatkomplexes ins Rollen. Mehr als 5500 Asservate werden sichergestellt und im BKA fachgerecht eingelagert und untersucht.

2013: Seit 2008 werden in mehreren Hundert Fällen Fahrzeuge auf Autobahnen beschossen. Meist sind Autotransporter das Ziel, aber auch Personen werden getroffen. Durch akribische Spurenuntersuchungen an den sichergestellten Projektilen  kann gezeigt werden, dass die Schüsse immer aus denselben Waffen, vermutlich aus einem Lkw heraus abgefeuert wurden. Nach intensiver Ermittlungsarbeit gelingt es der BAO Transporter schließlich, den Täter zu überführen und festzunehmen.