Bundeskriminalamt (BKA)

Die Dak­ty­lo­sko­pie lüf­tet Ge­heim­nis­se: Kri­mi­nal­fäl­le aus un­ter­schied­li­chen Epo­chen des Er­ken­nungs­diens­tes

Die Beschreibung der Fälle geschieht in chronologischer Reihenfolge, mit Angabe der Systeme, in denen sie jeweils bearbeitet wurden.

BKA-System:

Eine Frau nahm ihr Geheimnis mit ins Grab

Im Jahr 1965 wurde nach mühevoller Kleinarbeit der Daktyloskopen im Hessischen Landeskriminalamt und im Bundeskriminalamt das Geheimnis einer Frau gelüftet: Einer Betrügerin war es gelungen, sich 16 Jahre lang vor der Polizei zu verbergen. Die Frau verstarb nach einer Operation und wurde beerdigt. Beim Versuch, die erforderlichen Urkunden für die Eintragung ihres Todes zu beschaffen, fielen Abweichungen in den Ausweisdokumenten auf. Die Polizei machte daraufhin die rechtmäßige Inhaberin der von der Verstorbenen benutzten Ausweise ausfindig. Sie lebte in einem Altersheim und konnte keinerlei Angaben zur Identität der verstorbenen Frau machen.
Deshalb erfolgte die Exhumierung der unbekannten Toten. Da die Inaugenscheinnahme und das Röntgen des Leichnams keine Hinweise auf die Identität der Frau lieferten, wurde die Haut der Hände abgelöst und gesichert, um Fingerabdrücke zu fertigen.
Nach der Präparierung der Hautteile zeigte sich, dass die Papillarlinienmuster aller zehn Finger noch auswertbar waren, trotz der Liegezeit der Leiche von etwa fünf Monaten. Die Fingerabdrücke der unbekannten Toten wurden im Bundeskriminalamt ausgewertet und die Frau wurde identifiziert. Sie war im Jahr 1945 in Köln wegen Betruges erkennungsdienstlich behandelt worden und im Jahr 1949 spurlos verschwunden.
Die Vermisstenakte der Polizei konnte nun endgültig geschlossen werden.

Bund-Länder-System:

Unheimlicher Fund: Leichenteile in Gefrierdosen verpackt

Im Jahr 1984 fand ein städtischer Gärtner in einem Papierkorb auf einem Parkgelände in Mönchengladbach die in zwei Tragetaschen und 42 Gefrierdosen verpackten - teilweise gebratenen und gekochten - Leichenteile eines Menschen.
Im gerichtsmedizinischen Institut in Aachen gelang es, von den Fingerendgliedern der Hände Fingerabdruckfragmente zu sichern.
Das Fingerabdruckblatt wurde dem BKA per Kurier übermittelt. Eine anhand dieses Originalfingerblattes durchgeführte Recherche führte bei einem Sammlungsbestand von ca. 850.000 nach dem "Bund-Länder-System" klassifizierten Fingerabruckblättern zu einem Treffer. Trotz der schwer auswertbaren Fingerabdrücke - die Hände waren gekocht worden - bot das System die Daten nur einer Person an: Das Opfer konnte so identifiziert werden. Es handelte sich um einen Mann, der mehrfach erkennungsdienstlich behandelt worden war.
Die Tatsache, dass der Rechner aus der Vielzahl der einliegenden Fingerabdruckdaten ausschließlich einen Datensatz anbot und die Identifizierung sehr schnell vorgenommen werden konnte, resultierte daraus, dass die Klassifizierung des Bund-Länder-Systems bereits relativ feinstrukturiert war; diese Recherche auf einen eng umgrenzten, nur mittelmäßig belegten Bereich des Gesamtsystems beschränkt werden konnte und die daktyloskopischen Sachbearbeiter hervorragende Arbeit geleistet hatten.

Automatisiertes Fingerabdruck-Identifizierungssystem (AFIS)

Geständnis nach der Identifizierung im AFIS

Im Jahr 1994 wurde anhand einer Spurenrecherche im AFIS ein Mann als Verursacher einer Fingerspur identifiziert, die am Tatort eines Mordes an einer Prostituierten hinterlassen worden war.
Die weiteren Ermittlungen ergaben, dass derselbe Mann bereits mit mehreren Tötungsdelikten in Verbindung gebracht worden war. Allerdings hatte ihm noch keine Tat nachgewiesen werden können.
Seine Identifizierung als Spurenverursacher im Mordfall an der Prostituierten führte letztendlich dazu, dass er in den folgenden Vernehmungen insgesamt sieben weitere Tötungsdelikte gestand.

Kurios: Affen-Diebstahl im Magdeburger Zoo

Im Jahr 1996 besuchten ein Mann und eine Frau den Magdeburger Zoo. Sie erklärten, für ihr Studium eine wissenschaftliche Arbeit über Liszaffen zu schreiben. So erhielten sie die Genehmigung des Direktors, zusammen mit einem Tierpfleger das Gehege für Beobachtungen zu betreten. In einem unbeaufsichtigten Moment stahl das Duo ein Pärchen Liszäffchen. Beim Absuchen des Geheges wurden von den Tätern stammende Notizzettel gefunden, auf denen Fingerabdrücke gesichert werden konnten. Mit Hilfe des AFIS wurden die Diebe identifiziert.

Internationale Zusammenarbeit:

Mord in Oslo

Im September 2002 war eine Frau in ihrer Wohnung in Oslo beraubt und getötet worden. Am Tatort wurde eine Vielzahl von Fingerabdrücken gesichert. In Norwegen konnte jedoch kein Tatverdächtiger ermittelt werden.
Im Januar 2003 übermittelte Interpol Oslo Lichtbilder der sechs aktuellsten Fingerabdruckspuren vom Tatort an das Bundeskriminalamt und bat um deren Abgleich im AFIS. Die Auswertung der daktyloskopischen Spuren brachte einen Treffer: Als Spurenverursacher wurde ein tunesischer Staatsangehöriger ermittelt. Weiterführende Erkundigungen des BKA ergaben, dass der Tunesier auf Grund einer Ausweisungsverfügung bis Januar 2003 in Deutschland in Haft war. Ende Januar ist er nach Tunis abgeschoben und den tunesischen Behörden übergeben worden. Das BKA unterrichtete Interpol Oslo über den Sachverhalt.
Dieser Fall macht deutlich, wie wichtig der Abgleich von Tatortspuren auch mit ausländischen Datenbanken ist.