Bundeskriminalamt (BKA)

DNA-Analyse Quelle: BKA

Mit Hilfe der DNA-Analyse sind heute praktisch alle menschlichen Körperzellen (wie Blut, Muskelgewebe, Haut, Knochen, Haare, Sperma, Speichel, Schweiß) molekulargenetisch auswertbar. Grund hierfür ist, dass die menschliche DNA individualcharakteristisch ist, d.h. einer bestimmten Person zugerechnet werden kann. Die DNA-Analyse ersetzt jedoch nie die weitere Tatortarbeit oder kriminalistische Ermittlungstätigkeit; sie ergänzt diese allerdings sehr wirkungsvoll.

Was ist DNA?

DNA (Desoxyribonucleinsäure) ist eine Substanz, die die Baupläne aller Lebewesen aufzeichnet. Die chemischen Basen Adenin (A), Guanin (G), Cytosin (C) und Thymin (T) liefern dabei die vier „Buchstaben", die alle Informationen und Eigenschaften zu einer Person festgelegen. Sie sind auf langen Ketten aufgereiht und bilden gewissermaßen Worte und Sätze. In diesem Text gibt es auch Buchstabenfolgen, die keine Informationen enthalten. Nach heutiger Einschätzung sind in der menschlichen DNA höchstens 5 % der Buchstabenfolgen sinngebend (codierend), d. h. sie enthalten einen Code für genetische Informationen. In den übrigen Bereichen, die als nicht codierend bezeichnet werden, finden sich aber Buchstabenfolgen, die charakteristisch für einzelne Personen sind. Genau diese Bereiche sind interessant für die Kriminaltechnik.

Wie funktioniert DNA-Analyse?

Werden die Buchstabenfolgen, die charakteristisch für einzelne Personen sind (sogenannte "Merkmalssysteme"), analysiert, können die Ergebnisse als Zahlenfolgen notiert werden. Ein Merkmal besteht dabei aus der Bezeichnung des Merkmalssystems und zwei Zahlen (z. B. VWA 15/17). Die Zahlenwerte geben die Anzahl der Wiederholungssequenzen der oben genannten Basenpaare an. Zur Identifizierung einer bestimmten Person ist die Untersuchung mehrerer Merkmalssysteme mit den entsprechenden Zahlenwerten erforderlich, die als DNA-Muster zusammengefasst werden.

Welche Besonderheiten gibt es bei der polizeilichen DNA-Analyse?

Für die polizeiliche DNA-Analyse in Deutschland werden ausschließlich Abschnitte aus den nicht codierenden Bereichen herangezogen. Diese Beschränkung stellt sicher, dass keine Informationen über die Eigenschaften, die Persönlichkeit oder das Aussehen des Spurenverursachers erhoben werden.
Der internationale Standard für eine DNA-Analyse wird durch die Verwendung der zwölf Merkmalssysteme D21S11, VWA, TH01, FIBRA, D3S1358, D8S1179, D18S51, D1S1656, D2S441, D10S1248, D12S391, D22S1045 gebildet. In Deutschland wird zusätzlich als 13. Merkmalssystem SE33 analysiert. Somit wird national eine noch höhere Sicherheit bei der Identifizierung erreicht.

Die DNA-Analyse-Datei

Die DNA-Analyse-Datei wurde 1998 geschaffen, nachdem mit Hilfe der DNA-Analyse verschiedene Sexualmorde aufgeklärt werden konnten. Die DNA-Analyse-Datei ist Teil des zentralen Informationssystems der Polizei (INPOL) [Link zu Unsere Aufgaben – Ermittlungsunterstützung – Elektronische Fahndungs- und Informationssysteme]. Das heißt, sie steht allen deutschen Polizeibehörden zu Verfügung. Gespeichert werden Daten von Beschuldigten, Verurteilten und am Tatort aufgefundenes Spurenmaterial.

Gesetzliche Grundlagen der DNA-Analyse

1990 fällte der Bundesgerichtshof ein Grundsatzurteil in dem die Nutzung von genetisch informationslosen Abschnitten der DNA zu Beweiszwecken in Strafverfahren für zulässig erklärt wurde (Az.: 5 StR 145/90).

Heute regelt § 81 g StPO die Entnahme und Untersuchung von Körperzellen bei Beschuldigten und Verurteilten zur Feststellung des DNA-Identifizierungsmusters. Auch die Speicherung der Daten beim Bundeskriminalamt ist in der StPO geregelt (§ 81 g Absatz 5 StPO). Das Bundeskriminalamt darf als Zentralstelle die Daten den Polizeien des Bundes und der Länder zur Verfügung stellen. Des Weiteren sind die Staatsanwaltschaften befugt, für Zwecke der Strafrechtspflege Daten aus der DNA-Analyse-Datei abzurufen.

DNA-Reihenuntersuchung (auch Massengentest, Massenscreening)

In Fällen von Kapitalverbrechen kann als eine der letzten Ermittlungsmöglichkeiten eine sogenannte DNA-Reihenuntersuchung durchgeführt werden. Die Abgabe der DNA-Probe erfolgt auf freiwilliger Basis. Die ermittelten DNA-Identifizierungsmuster werden ausschließlich mit der Tatortspur des Täters verglichen und werden nicht mit der DNA-Analyse-Datei abgeglichen. Rechtliche Grundlage ist der § 81 h StPO.

Darüber hinaus ist es nicht möglich, auf freiwilliger Basis - losgelöst von einer konkreten Straftat - sein DNA-Identifizierungsmuster speichern zu lassen. Die gesetzlichen Bestimmungen lassen eine solche anlasslose Speicherung in der DNA-Analyse-Datei nicht zu.

Internationaler Austausch erkennungsdienstlicher Daten

Auch auf internationaler Ebene werden DNA-Muster zur Identifizierung von Straftätern ausgetauscht. Ein Beispiel ist der "Vertrag von Prüm", der es ermöglicht Fingerabdrücke, DNA-Muster und Daten aus dem Kraftfahrzeugregister im Datenbestand der Vertragsstaaten zu recherchieren und so Straftaten mit internationalen Bezügen besser zu erkennen und aufzuklären.

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