Bundeskriminalamt (BKA)

Ita­lie­ni­sche Organi­sierte Krimi­nalität (IOK)

Deutschland wird von Angehörigen bzw. Unterstützern der Italienischen Organisierten Kriminalität als Aktionsraum hauptsächlich in den Bereichen der Rauschgift-, Fälschungs-, Eigentums- und Wirtschaftskriminalität genutzt, dient aber darüber hinaus auch als Flucht-, Ruhe-, Rückzugs- und Investitionsraum.

Die einzelnen Gruppierungen der Italienischen OK weisen einen hohen Organisations- und Professionalisierungsgrad auf.

Im Fokus der Betrachtungen zur Italienischen Organisierten Kriminalität in Deutschland stehen in erster Linie die vier klassischen Formen von kriminellen Gruppierungen nach "Art der Mafia", welche ihre Ursprünge in Süditalien haben.

Sizilianische Mafia z.B. Cosa Nostra

Die Cosa Nostra ist die älteste und traditionellste Gruppierung der sizilianischen Mafia. Ihre internationale Verbreitung erstreckte sich zunächst nach Nordamerika. Ein Hauptbetätigungsfeld ist der internationale Rauschgifthandel in Kooperation mit anderen Mafiagruppierungen, besondere "Fähigkeiten" hat sie auch im Bereich der Geldwäsche durch das Aufbauen von legalen Geschäftsstrukturen. Wesentliche Aktionsräume der Cosa Nostra sind - neben Italien - Südafrika, Kanada, die USA, Venezuela und Spanien.

Seit den 1970er Jahren hat sie aber auch feste Bezüge nach Deutschland. Deliktische Schwerpunkte sind hier insbesondere Raub- bzw. Banküberfälle und illegale Tätigkeiten in der Bauwirtschaft.

Neben der Cosa Nostra existieren weitere sizilianische Gruppierungen wie die Stidda und die Clans Cursoti und Laudani, welche auf dem Gebiet der Schutzgelderpressungen und im Rauschgifthandel tätig sind. Insbesondere die Stidda hatte in der Vergangenheit starke Beziehungen nach Deutschland.

Neapolitanische Camorra

Die aus dem Großraum Neapel stammende Camorra besteht aus Clans und Familien, die oftmals in Gebietsstreitigkeiten und interne Auseinandersetzungen verwickelt sind. Anders als bei der sizilianischen Mafia und der `Ndrangheta pflegen einige Camorra-Bosse einen eher auffälligen Lebensstil.

Tätigkeitsfelder sind in erster Linie Rauschgifthandel, Zigarettenschmuggel, illegale Müllentsorgung sowie Produkt- und Markenpiraterie und Geldfälschung. In den letztgenannten Deliktsbereichen arbeitet die Camorra teilweise mit anderen OK-Gruppierungen zusammen. Über Italien hinaus ist die Camorra hauptsächlich in Spanien, Frankreich, Deutschland,  den Niederlanden, der Schweiz, in Osteuropa, den USA und in Lateinamerika tätig.

In Deutschland ist die Camorra seit der 1980er Jahren festzustellen, auffällig wurde sie hier insbesondere im Rauschgifthandel  sowie durch Betrugsdelikte und Produktfälschungen.

`Ndrangheta aus Kalabrien

Die kalabrische `Ndrangheta ist derzeit die relevanteste Mafia-Gruppierung. Sie nimmt aufgrund ihrer direkten Kontakte zu den Produzenten eine dominante Stellung auf dem europäischen Kokainmarkt ein. Sie versucht ihr Territorium auszuweiten und Einfluss auf kalabrische Migrantengemeinschaften auszuüben.

Die `Ndrangheta hat eine hierarchische Struktur und hat wiederholt unter Beweis gestellt, dass sie fähig ist die Wirtschaft und Politik zu infiltrieren. Durch geschickte Investition ihres immensen Vermögens aus krimineller Herkunft in legale Wirtschaftszweige hat sie in Italien, auch in einigen Regionen Norditaliens, eine Art Monopol in ausgewählten Bereichen wie zum Beispiel dem Baugewerbe, dem Immobiliensektor und dem Transportsektor erreicht.

Die `Ndrangheta ist darüber hinaus hauptsächlich in Spanien, Frankreich, den Niederlanden, Deutschland, der Schweiz, Kanada, den USA sowie Kolumbien und Australien tätig.

In Deutschland sind seit den 1970er Jahren feste Bezüge der `Ndrangheta nachzuweisen. Sie gilt als die stärkste der italienischen Mafia-Gruppierungen in Deutschland, wobei hier der internationale Rauschgifthandel von herausragender Bedeutung ist.

Apulische Gruppierungen z.B. Sacra Corona Unita

Die aus Apulien stammende OK wird häufig gleich gesetzt mit der Sacra Corona Unita, was jedoch nicht korrekt ist. Sie ist eine der Gruppierungen, aber auch die Società Foggiana, die Camorra Barese und die Gargano Mafia gehören zur Apulischen OK.

Die Apulische OK ist traditionell involviert in den Schmuggel von Zigaretten, Menschen, Rauschgift und Waffen sowie in die illegale Müllentsorgung.
Verbreitung hat die Apulische OK in den Niederlanden, der Schweiz und in Albanien gefunden.

In Deutschland sind Aktivitäten seit den 1990er Jahren festzustellen.