Bundeskriminalamt (BKA)

Mit der Identifi­zierungs­kommission des BKA welt­weit un­ter­wegs - Die Kar­rie­re von Mar­ti­na K. im BKA

Die Karriere von Martina K. im BKA Quelle: BKA

Start in Niedersachsen

Im Bundeskriminalamt bin ich mittlerweile schon seit 27 Jahren. Zuvor, 1987, absolvierte ich eine Ausbildung bei der Länderpolizei in Niedersachsen im mittleren Dienst und war danach sechs Monate bei der Bereitschaftspolizei in Hannover eingesetzt. Da das BKA den Direkteinstieg in den gehobenen Kriminalvollzugsdienst ermöglichte, bewarb ich mich beim BKA und absolvierte das dreijährige Studium zur Kriminalkommissarin.

Zunächst arbeitete ich im Bereich Auswertung Wirtschaftskriminalität. Neben dem Führen von deliktsbezogenem Schriftverkehr und einer Sonderauswertung zum Thema "Handel mit Bankgarantien" trat ich auch als Sachverständige vor Gericht auf und hielt Vorträge bei der internationalen kriminalpolizeilichen Organisation Interpol.


Verhandlungsgruppe und Idenfizierungskommission im BKA

Besonders spannend war meine fünfjährige Tätigkeit bei der Verhandlungsgruppe (VG) des BKA, zumal ich das erste hauptamtliche Mitglied der VG war und zusammen mit dem damaligen Leiter der VG diese als Spezialeinheit weiter ausbaute. Die VG wird eingesetzt bei Entführungen, Erpressungen und Geiselnahmen deutscher Staatsangehöriger im Ausland. Sie betreut die Angehörigen der Opfer und führt die Verhandlungen mit den Tätern. Zudem werden Erpresserschreiben, Nachrichten oder Videos von Entführungsopfern ausgewertet. Ein wichtiger Teil dieser Arbeit sind auch regelmäßige Übungen, unter anderem auch mit der Spezialeinheit GSG 9 der Bundespolizei.

Als sehr prägend empfinde ich die mittlerweile 24-jährige Mitgliedschaft in der Identifizierungskommission (IDKO) des BKA. Die IDKO wird zur Identifizierung von Toten bei Katastrophen mit einer hohen Opferanzahl entsendet. Ich war bei 15 Einsätzen in Einsatzabschnitten in Wiesbaden oder an den Katastrophenorten eingesetzt. Zu den Einsätzen zählten u. a. die Identifizierung der Toten nach dem Tsunami in Thailand im Jahr 2004, 2013 nach einem Taifun auf den Philippinen, der große Zerstörungen anrichtete, 2008 und 2014 nach den Flugzeugabstürzen in Nepal und der Ukraine sowie jüngst nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in Frankreich.

Bei allem Leid und der Tragik, die zu einem solchen Einsatz führen, war es doch immer wieder bestärkend zu erleben, wie gut die Arbeit im eigenen Team oder in der Kooperation mit internationalen Teams funktioniert und so jedem Einzelnen die Kraft gibt, diese schwierige, aber wichtige Aufgabe zu meistern.

Während ich zehn Jahre als sogenannte Hauptamtlerin in der IDKO arbeitete, war ich Mitglied einer Interpol-Arbeitsgruppe von internationalen Identifizierungsgruppen, um internationale Standards für die Identifizierung von unbekannten Todesopfern zu erarbeiten. Die Treffen mit der Interpol-Arbeitsgruppe, die zwei bis dreimal jährlich weltweit stattfanden, ermöglichten mir spannende Dienstreisen und den Aufbau interessanter Kontakte.
In den einsatzfreien Zeiten organisierte ich Lehrgänge, praktische Übungen und bereitete die Einsätze nach. Besonders in Erinnerung blieb mir zudem die Ausbildung der türkischen Identifizierungskommission in der Türkei.


Erkennungsdienst und Lichtbildsammlung
Etwas ruhiger wurde meine Arbeit als Lichtbildexpertin beim Erkennungsdienst. Der Lichtbildvergleich ist eine Möglichkeit, einen Täter zu identifizieren, wenn keine sonstigen Identifizierungsmöglichkeiten (DNA oder Fingerabdrücke) vorliegen. Durch den Vergleich der einzelnen Merkmale des Gesichtes und dem dadurch erzielten Ergebnis, dass es sich um ein und dieselbe Person handelt, können den Ermittlern wichtige Hinweise gegeben werden. Außerdem können unbekannte Täter durch Recherchen im Gesichtserkennungssystem des BKA identifiziert werden.
Auch in diesem Bereich war ich einige Jahre in einer Interpol-Arbeitsgruppe aktiv und arbeitete in einem interessanten Forschungsprojekt mit.

Heute bin ich Kriminalhauptkommissarin und Sachgebietsleiterin im Bereich "Internationales Personenfeststellungsverfahren / Datenpflege / Lichtbild".
In diesem Bereich werden als Service für Ermittlungsstellen im BKA oder bei den Länderpolizeien Wahllichtbildvorlagen und Lichtbildvorzeigedateien erstellt. Dazu werden passend zu dem Lichtbild des Tatverdächtigen künstliche Vergleichsbilder (Dummys) erarbeitet, um für Ermittlungsverfahren bei der Vernehmung von Zeugen einen Verdacht zu erhärten oder auszuräumen. Zu den Aufgaben gehört die Pflege des gesamten Lichtbildbestandes der deutschen Polizei.
Im Personenfeststellungsverfahren (PFV) sollen die einer erkennungsdienstlichen behandelten Personen rechtmäßig zustehenden Personalien ermittelt werden. Dies ist beispielsweise wichtig, um ausländische Straftäter nach einer Verurteilung in ihr Heimatland abschieben zu können oder das Alter eines Straftäters für die Festlegung des Strafmaßes zu ermitteln.
Neben der fachlichen Expertise in diesem Bereich gehört als Sachgebietsleiterin auch das Führen von Mitarbeitern zu meinen Aufgaben. Dies ist eine große Herausforderung, die ich gern angenommen habe.

Für mich war es die richtige Entscheidung zum BKA zu wechseln, auch wenn ich mir direkt nach dem Wechsel dahingehend nicht mehr ganz sicher war. Die Umstellung von der Arbeit bei der Bereitschaftspolizei zu einem Schreibtischjob im Bereich Wirtschaftskriminalität war nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Im Laufe der Jahre habe ich meinen Weg im BKA gefunden und in für mich interessanteren und spannenderen Bereichen gearbeitet. Wichtig finde ich auch zu erwähnen, dass die Jobsicherheit als Beamter doch sehr beruhigend ist und das BKA die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch Teilzeitmöglichkeiten unterstützt. So war es trotz Kinder für mich möglich, Karriere im BKA zu machen.

Da ich noch zwölf Jahre im BKA arbeiten werde, wird es sicherlich noch die eine oder andere Verwendung für mich geben. Nebenbei werde ich weiterhin IDKO-Mitglied bleiben.
Irgendwann strebe ich an, international wieder mehr tätig zu werden. Das BKA bietet dafür viele Möglichkeiten.


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