PKS Berichtsjahr 2000 Einzelne Straftaten(gruppen)

3.17 Rauschgiftkriminalität


Hinweis: 1987 – 1990: alte Länder
  1991 – 1992: alte Länder mit Berlin
  ab 1993: Bundesgebiet insgesamt


Seit 1981 werden die Fälle nach wichtigen Drogenarten gesondert ausgewiesen, wobei in der Erfassung Heroin Vorrang vor Kokain, vor Amphetamin, vor Amphetaminderivaten, vor LSD, vor Cannabis und dieses vor den übrigen Rauschmitteln hat.
Den höchsten Anteil weisen die registrierten Cannabisfälle auf, bei denen sich der stark ansteigende Trend der Vorjahre fortgesetzt hat. Eine beträchtliche Zunahme der registrierten Fälle gab es ferner bei Amphetaminderivaten/Methamphetamin und deren Derivaten (einschl. Ecstasy). Die Fallzahlen bei Heroin und LSD blieben nahezu konstant. Eine Abnahme wurde bei den Kokainfällen registriert.
Die Entwicklung der registrierten Rauschgiftdelikte hängt in starkem Maße auch vom Kontrollverhalten durch Zoll und Polizei ab (Aufhellung des sehr großen Dunkelfeldes). Umfragen aus den Jahren 1993, 1995 und 1997 durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sowie durch das Institut für Therapieforschung, München, bestätigen den vermehrten Konsum von Ecstasy bis 1997 sowie von Cannabis im Osten bis 1997 und im Westen bis 1995.


Bei den Rauschgiftdelikten wurde insgesamt ein weiterer Anstieg registriert; vor allem durch Ecstasy- und Cannabisfälle bewirkt. In diesen Zahlen könnte sich auch eine verstärkte polizeiliche Kontrollintensität widerspiegeln.

Großstädte ab 500.000 Einwohner sind besonders bei Heroin- und Kokainfällen erheblich überrepräsentiert.



Fast die Hälfte der ermittelten Tatverdächtigen waren bei den Rauschgiftdelikten zwischen 18 und 25 Jahre alt (Heranwachsende und Jungerwachsene). Jugendliche und Heranwachsende weisen z.B. in Fällen mit Cannabis, LSD und Amphetaminderivaten (einschl. Ecstasy) relativ hohe Tatverdächtigenanteile auf, deutlich niedrigere dagegen bei Heroin und Kokain.

Bezogen auf ihren Bevölkerungsanteil dominieren unter den deutschen Tatverdächtigen bei den Rauschgiftdelikten die Heranwachsenden von 18 bis unter 21 Jahren, wobei bei den jungen Menschen mit zunehmendem Alter der Anteil harter Drogen wächst. -siehe hierzu Grafik "G88" auf Seite 219-


*) Tatverdächtige pro 100.000 Einwohner der jeweiligen Altersgruppe
(Reelle TVBZ können für nichtdeutsche Tatverdächtige nicht berechnet werden, s.S.97)




Bei illegalem Handel und Schmuggel und bei illegaler Einfuhr in nicht geringer Menge waren über ein Viertel der Tatverdächtigen Nichtdeutsche, speziell bei Kokain sogar weit über die Hälfte.
Bei illegalem Handel und Schmuggel von Rauschgiften waren zwei von drei nichtdeutschen Tatverdächtigen entweder Asylbewerber oder gehörten zur Sammelgruppe der "Sonstigen" (Erwerbslose, abgelehnte Asylbewerber mit Duldung, Besucher oder Flüchtlinge); noch höher lagen deren Anteile bei Heroin und Kokain. Bei der illegalen Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge dominierten insgesamt noch vor diesen beiden Gruppen Touristen/Durchreisende; bei Heroin waren aber auch hier die "Sonstigen" am stärksten vertreten.


Die Staatsangehörigkeitenstruktur der Tatverdächtigen hat sich gegenüber dem Vorjahr kaum geändert. Unter den nichtdeutschen Tatverdächtigen stellten türkische Staatsangehörige bei allgemeinen Verstößen nach § 29 BtMG fast ein Drittel. Bei z.B. illegaler Einfuhr von Kokain in nicht geringer Menge waren Kolumbianer im Vergleich zu ihrem Anteil an den nichtdeutschen Tatverdächtigen insgesamt (0,3 %) erheblich und beim illegalen Handel und Schmuggel vor allem einzelne afrikanische Staaten überrepräsentiert. Bemerkenswert ist der hohe Anteil von Tatverdächtigen aus Sierra Leone und anderen afrikanischen Staaten besonders bei Kokainhandel und -schmuggel.


Hinweis: siehe auch Kommentar auf Seite 48




*) Fälle pro 100.000 Einwohner
Hinweis: siehe auch Kommentar auf Seite 50 f.



Hinweis: Die Aufzählung ist nicht vollständig.
*) Erstauffällige Konsumenten harter Drogen werden seit Anfang 1988 beim Vorhandensein mehrerer harter Drogen nicht mehr nur bei der am höchsten eingestuften Droge (Heroin vor Kokain vor Amphetamin vor Sonstigen) sondern bei jeder einzelnen harten Droge gesondert registriert.
**) Erstauffällige Konsumenten harter Drogen in den neuen Ländern sind erst seit 1992 in der FDR erfasst.
***) In einzelnen Ländern kam es 1996 zu Erfassungsrückständen, so daß zu geringe Zahlen registriert wurden, die die Tendenz in den betroffenen Ländern nicht exakt widerspiegeln. Die für das Bundesgebiet festgestellte Entwicklung wird zwar zahlenmäßig, jedoch nicht in der Gesamttendenz verändert.


Hinweis:
bis 91 alte Länder
ab 92 Bundesgebiet insgesamt


*) ohne Cannabisöl
**) In Mecklenburg-Vorpommern wurden 2 Rauschgifttote polizeilich bekannt, die nicht in der FDR erfasst wurden. Ein Rauschgifttoter in Sachsen wurde in der FDR erfasst
***) In Berlin wurden für 1995 nachträglich weitere Rauschgifttote (31) festgestellt, die nicht in die oben aufgeführten Zahlen eingeflossen sind. Die insgesamt festgestellte bundesweite Tendenz wird dadurch jedoch nicht wesentlich beeinträchtigt.

2000 wurden in Deutschland von der Polizei insgesamt 2.030 Drogentote registriert; 12,0 % mehr als im Vorjahr. Seit Beginn der Erhebung (1973) wurden der Polizei bereits mindestens 26.445 Drogentote bekannt. Meldepflichtig sind alle Todesfälle, die in einem kausalen Zusammenhang mit dem mißbräuchlichen Konsum von Betäubungsmitteln oder als Ausweichmittel verwendeten Ersatzmitteln stehen. Darunter fallen insbesondere Todesfälle infolge von Mißbrauch, Selbsttötung aus Verzweiflung über die Lebensumstände oder unter Einwirkung von Entzugserscheinungen sowie tödliche Unfälle von unter Drogeneinfluß stehenden Personen. Nicht nur bei der letzten Fallkategorie muß von einem großen Dunkelfeld ausgegangen werden.
Die Zahl der Drogentoten ist kein sicherer Maßstab für die Entwicklung des Rauschgiftmißbrauchs. Die Gründe für die hohe Zahl der Drogenopfer sind vielfältig. Ursachen sind - bei anhaltender Zufuhr harter Drogen und immer noch wachsendem Konsumentenkreis - beispielsweise der körperliche Verfall nach langjährigem Rauschgiftmißbrauch, der zunehmende Mischkonsum und nicht zuletzt der unterschiedliche Wirkstoffgehalt der illegalen Drogen.







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