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Die Identifizierungskommission des Bundeskriminalamtes (IDKO)

Identifizierungskommission (IDKO)

Entstehungsgeschichte der IDKO

Die Eindrücke und Erfahrungen, die die 1972 nach Teneriffa zur Identifizierung der Opfer des Flugzeugabsturzes in Santa-Cruz entsandten Beamten sammelten, führten zur Aufstellung einer Identifizierungskommission (IDKO) beim Bundeskriminalamt als Zentralstelle der Kriminalpolizei der Bundesrepublik Deutschland.
Seither hat die IDKO insgesamt 40 Einsätze im In- und Ausland durchgeführt.

Aufgabenbereich der IDKO

Die Aufgabe der IDKO ist die Identifizierung von Opfern großer Katastrophen, insbesondere wenn

  • im Ausland eine größere Anzahl deutscher Opfer zu vermuten ist,
  • im Inland die Opferanzahl einen Einsatz der IDKO sinnvoll macht.

Im Einsatzfall übernimmt die IDKO in Absprache mit den örtlich zuständigen Behörden, denen sie sich einsatzorganisatorisch eingliedert, ihren Arbeitsbereich selbständig wahr.
Von Beginn an hat die IDKO an ihre Arbeit strenge Maßstäbe gesetzt, was ihr international ein hohes Ansehen eingebracht hat.

Internationale Zusammenarbeit

Arbeitsweise, Organisation, Ausrüstung und Erfahrung der IDKO wurden von anderen Staaten bei der Planung und der Aufstellung von Kommissionen gleicher Aufgabenstellung berücksichtigt. Vertreter der IDKO gehören einer internationalen Arbeitsgruppe an, die jährlich beim Generalsekretariat der INTERPOL in Lyon zusammenkommt, um die Identifizierungsmethoden länderübergreifend aufeinander abzustimmen und die internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Identifizierung von Opfern großer Katastrophen zu verbessern.

Personal- und Organisationsstruktur der IDKO

Gegenwärtig gehören der IDKO ca. 120 aktive Mitglieder aus dem BKA an, die auf freiwilliger Basis mitarbeiten. Im Einsatzfall wird darüber hinaus auf einen Pool von externen Spezialisten (Rechtsmediziner, Zahnärzte, Psychosoziale Fachkräfte) zurückgegriffen. Aus diesem Personenkreis wird die Identifizierungskommission zusammengestellt und mit Zustimmung des betroffenen Staates oder auf Anforderung durch die zuständige Inlandsbehörde schnellstmöglich an die Unglücksstelle entsandt.

Arbeitsweise

Vor Ort werden mit kriminalistischem Fachwissen alle Befunde erhoben, die zu einer Identifizierung beitragen können. Hierzu gehören die Abnahme der Fingerabdrücke und die genaue Auflistung der an den Toten festgestellten Schmuck- und Bekleidungsstücke. Hinzu kommt die rechtsmedizinische Befunderhebung zur Erstellung einer ausführlichen Personenbeschreibung, die Feststellung besonderer Merkmale am und im Körper, die Erstellung des Zahnstatus sowie die Erlangung von Gewebeproben für eine evtl. erforderliche DNA-Analyse.
Parallel zu den Untersuchungen am Unglücksort werden im BKA Wiesbaden Ante Mortem-Daten (Vergleichsunterlagen wie DNA, Zahnstatus, Fingerabdruckspuren etc.) möglicher Opfer über die zuständigen nationalen und internationalen Polizeidienststellen eingeholt, um sie mit den vor Ort erhobenen Befunden vergleichen zu können.

Bisherige Einsätze

Ein bekannter Einsatz der IDKO fand anlässlich des Zugunglücks ICE 844 "Wilhelm-Konrad-Röntgen" am 03.06.1998 in Eschede statt. Bei dem Unglück kamen insgesamt 101 Menschen ums Leben. Durch die IDKO wurden alle untersuchten 96 Opfer zweifelsfrei identifiziert. Der Großteil der Identifizierungen erfolgte über Zahnschema- und Fingerabdruckvergleich. In einem Fall konnte die Identifizierung nur durch DNA-Vergleich durchgeführt werden.

Auch die Identifizierung der Opfer des Flugzeugabsturzes am Bodensee bei Überlingen im Juli 2002 übernahm die IDKO. Die Spezialisten des BKA identifizierten alle 71 Opfer der Katastrophe, bei der eine Passagiermaschine mit einem Frachtflugzeug kollidiert war.

Der bei weitem größte und längste IDKO-Einsatz erfolgte in Zusammenhang mit dem Seebeben nordwestlich von Sumatra (Indonesien) an Weihnachten 2004. Der dadurch ausgelösten Flutwelle fielen Tausende Menschen zum Opfer, darunter auch viele deutsche Touristen. Zusammen mit Identifizierungskommissionen anderer Staaten konnten in Sri Lanka und Thailand bisher etwa 2.900 Personen identifiziert werden, darunter 539 in Deutschland vermisst gemeldete Personen. Der Einsatz mit mehr als 630 Spezialisten des Bundeskriminalamtes und der Länderpolizeien sowie Rechtsmedizinern und Zahnärzten dauerte 14 Monate.

Im Jahr 2011 erfolgte ein Einsatz der IDKO im Zusammenhang mit dem Bahnunglück in Hordorf/Sachsen-Anhalt am 29.01.2011 bei dem 10 Menschen getötet und 23 verletzt wurden. Bei dem Unglück stieß ein Güterzug frontal mit einem Personenzug zusammen. Im Rahmen eines Beratungseinsatzes unterstützte die IDKO mit einem kleinen Team vor Ort beratend bei den Identifizierungsmaßnahmen.

Zuletzt war die IDKO in 2013 im Rahmen der Anschläge im Westgate Center in Nairobi/Kenia und während des Taifuns Haiyan auf den Philippinen im Einsatz.

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