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Eine Literaturanalyse - Täter im Bereich Cybercrime

Voraussetzung einer wirksamen Bekämpfung von Cyberkriminalität bzw. Cybercrime ist zunächst ein umfassendes Phänomenverständnis. Dieses setzt fundiertes Wissen zu den drei großen Themenfeldern Täter, Opfer bzw. Geschädigte und Formen der Tatbegehung voraus. Zur Nutzbarmachung des über die Polizei hinausgehenden Wissens zu "Tätern im Bereich Cybercrime" hat die Forschungs- und Beratungsstelle Cybercrime (KI 16) des Kriminalistischen Instituts eine Analyse deutsch- und englischsprachiger Literatur durchgeführt. Diese Analyse geht u. a. der Frage nach, inwieweit sich Hacker typisieren lassen und gibt diesbezüglich einen Überblick über bisherige Typisierungs- bzw. Kategorisierungssysteme.

Der vorliegende Bericht arbeitet phänomenologische Erkenntnisse über Hacker auf und zeigt in diesem Kontext, dass der typische Hacker Schüler, Auszubildender oder Student ist, der seine Kenntnisse im Bereich Informationstechnik häufig als Autodidakt erworben hat. Im Netz verfügbare Angebote von „Crime as a Service“ oder „Malware as a Service“ machen es auch weniger geübten Tätern möglich, Angriffe auf Computer und Netzwerke zu verüben. Bezogen auf die Frage, was Hacker antreibt, scheinen weniger Einzelmotive als Motivbündel eine Rolle zu spielen. Relevanz haben hier der Spaß am Hacken, Neugier und Unterhaltungsaspekte, genauso wie der Nervenkitzel dabei, etwas Unerlaubtes zu tun. Aber auch die Gruppenzugehörigkeit, das Streben nach Status und Macht sowie das Streben nach Zerstörung oder Rache können eine Rolle spielen.

In kriminologischer Hinsicht hat sich die Analyse den im Zusammenhang mit Cybercrime am häufigsten genannten Erklärungsansätzen zugewandt und ihre Anwendbarkeit geprüft. Thematisiert werden u. a. Bindungs- und Kontrolltheorien, Lerntheorien, die Neutralisationstheorie und auch die "Space Transition Theory" als explizite Cybercrimetheorie.

Diskutiert werden ferner polizeipraktische Erkenntnisse. So könnte es sinnvoll sein, die Repression vor allem auf die relativ kleine Gruppe hochqualifizierter, kreativer Hacker zu konzentrieren, anstatt sich auf die breite Masse an „script-kiddies“ bzw. angelernten Hackern zu fokussieren, die im Wesentlichen vorgefertigte Werkzeuge nutzen. Bezüglich der „script-kiddies“ stellt sich zudem die Frage, inwieweit sich hier "lediglich" ein neues Phänomen der Jugenddelinquenz zeigt, dem in erster Linie mit der Prävention begegnet werden müsste. Bezogen auf die Prävention sprechen die Ergebnisse der Literaturanalyse darüber hinaus für eine Anwendung situativer Präventionsansätze, um Tatgelegenheiten zu reduzieren und sich damit insbesondere vor opportunistischen Tätern bzw. Angriffsroutinen wehren zu können.

Deutsche Fassung

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