Spuren, Tatorte, Fundorte ...
Die Verwertbarkeit kriminaltechnischer Untersuchungsergebnisse hängt in entscheidendem Maße von der Qualität der Tatortarbeit und Spurensicherung ab.
In engem Kontakt mit der Tatortgruppe stehen die Experten der Kriminaltech-nischen Fototgrafie. Sie übernehmen besondere Aufgaben in der fotografischen Sicherung und Dokumentation von Asservaten und Spuren. Zur Sichtbar-machung und Erfassung von schwer sichtbaren Fingerspuren auf den unter-schiedlichsten Spurenträgern verwenden die KT-Fotografen eine Kameraausstattung mit besonderer Beleuchtungseinrichtung und einer Spezialsoftware.
Mit der Einrichtung einer Tatortgruppe im Bundeskriminalamt 1974 blickt das KTI auf eine lange und erfolgreiche Zusammenarbeit mit einem professionellen Partner zurück. Die Tatortgruppe und das KTI waren in den Anfangsjahren vor allem durch die vielen terroristischen Aktivitäten der Baader-Meinhof-Gruppe und der späteren RAF stark gefordert. Die organisatorische Trennung von Tatortarbeit und Kriminaltechnik bewährte sich in den folgenden Strafverfahren u. a. dadurch, dass die Abgrenzung der wissenschaftlich-technischen Untersuchungen von den zweifellos auch ermittlungsgeprägten Aufgaben der Tatortgruppe sehr transparent war. Aufgrund notwendiger Spezialisierungen in Richtung "Allgemeine Tatortarbeit und Tatortvermessung" einerseits sowie "Sprengstoff- und Branddelikte und Entschärfung" andererseits haben sich daraus zwei Dienstleistungszweige entwickelt, die bei BKA-eigenen Ermittlungsverfahren oder auf Anforderung aus den Bundesländern folgende Aufgaben übernehmen:
- Spurensuche und Spurensicherung am Tatort oder Fundort
- Tatortvermessung und Tatortrekonstruktion
- Beratende Funktion bei der Gefahrenabwehr
- Entschärfungsmaßnahmen
Mit dem 3-D-Streifenlichtscanner können Formspuren zerstörungsfrei erfasst und mittels 3-D-Software analysiert werden.
Aufgrund von Ersuchen oder soweit deutsche Interessen betroffen sind, werden die Tatortbeamten auch im Ausland tätig. In Fällen der Bekämpfung terroristischer Gewaltkriminalität wird die Tatortgruppe des Bundeskriminalamtes angefordert und gegebenenfalls als Einsatzabschnitt in eine Besondere Aufbauorganisation des Bundes bzw. der anfordernden Länder integriert.
Anlassbezogen werden zur Beratung an speziellen Fundorten wie illegalen Rauschgiftlaboren sowie typischen Schuss-, Sprengstoff- oder Brand-Tatorten Fachkräfte des KTI hinzugezogen.
Weitergehende Sicherung daktyloskopischer Spuren an Überresten einer Unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtung (USBV)
Als ständige Alarmorganisation ist ein Ermittler- und Entschärferkommando (EEK) für Spreng- und Brandvorrichtungen eingerichtet. Aufgabe des EEK ist, den ermittlungsführenden Dienststellen bei Einsatzlagen umfassend Fachkenntnisse über Spreng- und Zündmittel sowie Spreng- und Brandvorrichtungen zur Verfügung zu stellen und die damit in Zusammenhang stehenden erforderlichen Maßnahmen sowohl im Bereich der Gefahrenabwehr als auch der Strafverfolgung zu veranlassen bzw. durchzuführen.
Insbesondere bei Tatorten mit einem komplexen Spurenaufkommen werden nach dem Abschluss der Tatortarbeit sogenannte "KT-Konferenzen" durchgeführt. Im Rahmen dieser Besprechungen entscheiden alle betroffenen Fachbereiche der Kriminaltechnik und die Sachbearbeiter der Tatortgruppe gemeinsam anhand der sichergestellten Asservate über die optimale Durchführung und Reihenfolge weiterführender Spurensicherungen sowie kriminaltechnischer Untersuchungen.
Gemeinsame Vorabstimmung von Tatort- und Kriminaltechnik-Experten zu Untersuchungszielen und -reihenfolgen
Zur Klärung besonderer kriminaltechnischer Fragestellungen nach Sprengstoffanschlägen veranlasst das KTI Vergleichs- und Rekonstruktionssprengungen bzw. führt diese selbst durch, zum Teil mit Beteiligung der Tatortgruppe.
Spurensicherung bei einer Kfz-Untersuchung durch die Entnahme von Saugproben
Die Tatortgruppe erfasst bundesweit datengerecht alle im Rahmen des Tatmittelmeldedienstes für Spreng- und Brandvorrichtungen von der ermittlungsführenden Dienststelle mitgeteilten Informationen im Zusammenhang mit Sprengstoff- und Branddelikten. In diese Datei fließen auch alle Erkenntnisse ein, die im Rahmen der kriminaltechnischen Untersuchungen gewonnen werden konnten.
Untersuchungsanträge, Asservate und technische Anfragen unserer Auftraggeber (ermittelnde Dienststellen, Tatortgruppen, LKÄ, Staatsanwaltschaften, etc.) erreichen das Kriminaltechnische Institut auf verschiedenen Wegen.
Der Bereich der Vorgangs- und Asservatensteuerung (VAST) organisiert den zentralen Eingang von Untersuchungsanträgen und Untersuchungsmaterial für das gesamte KTI und bildet damit die Schnittstelle zwischen Auftraggeber und den mit der Untersuchung beauftragten Fachbereichen des KTI im BKA.
Kontrolle eines eingegangenen Asservates, der Spurensituation angepasst
Die Kontroll- und Korrekturfunktion von VAST garantiert die zuverlässige Administration von Standardvorgängen sowie die Koordinierung von komplexen Untersuchungsanträgen, bei denen mehrere unterschiedliche und teilweise konkurrierende Untersuchungen beantragt werden. Gleichzeitig erfolgt eine Beratung in allen Fragen bzgl. des Umgangs mit Asservaten und Prüfgegenständen sowie des Ablaufs und der Reihenfolge der beantragten Untersuchungen.
VAST bildet somit die Schaltzentrale innerhalb des KTI für eingehende Untersuchungsanträge bis hin zum Ausgang der Berichte und des Untersuchungsmaterials.





