Partner und Kunden
Unter den kriminaltechnischen Einrichtungen in Deutschland nimmt das Kriminaltech¬nische Institut des Bundeskriminalamtes eine besondere Funktion wahr, deren Rahmen im BKA-Gesetz vorgegeben ist. Das KTI übernimmt Verantwortung für die forensischen Wissenschaften als Koordinator, als Entwickler, als Vermittler, als Aus- und Fortbilder, als Ausstatter kriminaltechnischer Laboratorien weltweit, als Fachberater und Vorreiter für neue Wege, zum Beispiel in der Qualitätssicherung.

Engste Partner und Kunden zugleich sind die kriminaltechnischen Einrichtungen der Bundesländer sowie die Dienststellen des Bundeskriminalamtes und das Bundesministerium des Innern, für die das KTI vielfältige Dienstleistungen erbringt. Hinter den Dienststellen des Bundeskriminalamtes stehen in vielen Fällen der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof oder die federführenden Staatsanwaltschaften als eigentliche Auftraggeber. Bisweilen beauftragen auch die Gerichte Sachverständige des KTI direkt mit kriminaltechnischen Untersuchungen. Unter anderem über den zentralen Schusswaffen- und den Handschriftenerkennungsdienst steht das KTI unmittelbar in Kontakt zu den Polizeibehörden vor Ort, die zusammen mit den Dienststellen der Bundespolizei für einen hohen Auftragseingang sorgen.
Einige wichtige forensisch tätige Partner wie die Rechtsmedizinischen Institute oder bestimmte Einrichtungen des Zolls sind bei den Universitäten bzw. im nachgeordneten Bereich des Bundesministeriums der Finanzen angesiedelt. Je nach Fragestellung können weitere Kooperationspartner wie Universitäten, Industrie oder Forschungsinstitute gewonnen werden, sei es bei der Fallarbeit oder der Zusammenarbeit in Forschungs- und Entwicklungsprojekten.
Die forensische Verantwortung des KTI endet nicht mit der Gutachtenerstellung oder mit ermittlungsunterstützenden Leistungen für die Polizeibehörden, sondern umfasst ebenso die Aus- und Fortbildung für Sachverständige, Richter, Staatsanwälte, Strafverteidiger und Führungskräfte der Polizei. Kunden sind demnach auch die Anbieter von Sachverständigenausbildungen wie das Bildungszentrum des Bundeskriminalamtes, Polizeifachhochschulen, die Deutsche Hochschule der Polizei, die Richterakademien und die Strafverteidigervereinigungen. Viele Arbeitskontakte bestehen ferner zu verschiedenen Ministerien wie dem Auswärtigen Amt, dem Bundesministerium der Verteidigung, dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und nachgeordneten Behörden, beispielsweise der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt, der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, den Ausländerbehörden und Wehrwissenschaftlichen Instituten.
Das Kriminaltechnische Institut unterhält schon immer gute Kontakte zu nationalen und internationalen forensischen Gesellschaften und Netzwerken. Auf nationaler Ebene ist eine geregelte Kommunikation der kriminaltechnischen Einrichtungen durch die nachgeordnete Gremienstruktur der AG Kripo (Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Landeskriminalämter mit dem Bundes¬kriminalamt) sichergestellt. In bestimmten kriminalpolizeilichen Aufgabenberei¬chen hat die AG Kripo Kommissionen eingesetzt, die nationale Steuerungs-, Koordinierungs-, Impuls- und Kontrollfunktionen ausüben. Für die Kriminaltechnik ist dies die Kommission "Kriminalwissenschaft und -technik/Erkennungsdienst" (KKWT/ED).
International ist die Mitgliedschaft des KTI in ENFSI (European Network of Forensic Science Institutes) von Bedeutung. Auf europäischer Ebene hat sich ENFSI inzwischen etabliert. Ihm gehören mehr als 63 Laboratorien aus über 36 Ländern an. Das Herz dieses Zusammenschlusses bilden die 17 europäischen Experten-Arbeitsgruppen, die bei der Standardisierung von kriminaltechnischen Untersuchungsmethoden und gemeinsamen Entwicklungsvorhaben wichtige Arbeit leisten. Hier hat sich das KTI unter anderen als Entwickler und Ausrichter von Ringversuchen einen Namen gemacht. Maßgeblicher Partner bei der Durchsetzung kriminaltechnischer Standards auf europäischer Ebene ist sicherlich die EU Law Enforcement Working Party (LEWP) des Rates der Europäischen Union. In vielfältiger Weise beteiligt sich das KTI in nationalen und internationalen Gremien an präventiv orientierten Programmen, z. B. in den zuständigen EU-Arbeitsgruppen, der International Civil Aviation Organization (ICAO) und im Rahmen der von der Bundesregierung unterhaltenen Kooperationsbeziehungen an Projekten zur Verbesserung der Dokumentensicherheit und Einführung biometrischer Verfahren.
Ein weiterer europäischer Partner ist das Europäische Polizeiamt Europol. Die Zusammenarbeit mit dieser Sicherheitsbehörde betrifft vor allem die ermittlungsnahen Dienstleistungen im Bereich der vergleichenden Analyse synthetischer Drogen. Das KTI unterstützt insbesondere auch Interpol etwa mit eigenen Projekten bei der IT-gestützten Zusammenführung von Informationen über Waffen und Munition sowie mit richtungsweisenden Dokumentationen zu kriminalwissenschaftlicher Fachliteratur.
Unter den vielen internationalen forensischen Gesellschaften, mit denen das KTI in Kontakt steht, ist vor allem die International Association of Forensic Sciences (IAFS) von Bedeutung. An den Tagungen der IAFS sind regelmäßig Wissenschaftler des KTI mit eigenen Präsentationen beteiligt, werden Anregungen aufgegriffen zum Nutzen der deutschen Kriminaltechnik.
Mit den Ansprüchen einer internationalen Strafverfolgung erlangt auch der relativ junge Internationale Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag als Auftraggeber für das KTI zunehmend Bedeutung.





