Forschungsstelle Terrorismus / Extremismus (FTE)
Die Terroranschläge vom 11. September 2001 sowie die in den Folgejahren begangenen bzw. vereitelten Anschläge in London, Madrid und Deutschland haben gezeigt, dass sich die Sicherheitsbehörden gezielt auch mit den möglichen Ursachen terroristischer Gewalt befassen müssen. Bereits im Jahr 2003 hat das Bundeskriminalamt reagiert und die interdiszilpinär ausgerichteten Forschungsstelle Terrorismus / Extremismus (FTE) aufgebaut. Hier arbeiten Kriminalbeamte und Wissenschaftler aus unterschiedlichen sozialwissenschaftlichen Fachrichtungen zusammen und vereinen fallbezogene polizeiliche Auswertungen und Analysen mit professionellem Theorie- und Methodenwissen zu einem integrativen Ansatz, durch den neben wissenschaftlichem Output auch der praktische Bezug zur polizeilichen Arbeit erhalten bleibt. Ziel der sozialwissenschaftlichen Forschung der FTE ist die Beantwortung der zentralen Frage: "Welche Personen agieren warum in dieser (terroristischen / extremistischen) Art und Weise zu dieser Zeit an diesem Ort?"
Die FTE forscht mit dem Ziel, die Effizienz von Anti-Terror-Maßnahmen stets zu verbessern und weiter zu entwickeln.
Organisatorische Einbindung
Die FTE ist ein wissenschaftlicher Fachbereich am Kriminalistischen Institut des BKA. Die Forschungsstelle ist in die Gruppe "Kriminalistisch-kriminologische Forschung und Beratung" eingebunden. Neben der internen Zusammenarbeit mit den zuständigen operativen Einheiten innerhalb des BKA verfolgt die Forschungsstelle auch einen aktiven Austausch und Forschungskooperationen mit polizeilichen und außerpolizeilichen wissenschaftlichen Einrichtungen im In- und Ausland.
Hierüber wird sichergestellt, dass die FTE ihre Forschungsaktivitäten stets auf der Grundlage des aktuellen Forschungsstandes und Methodenwissens entfaltet.
Wissenschaftliche Ausrichtung
"Terrorismus verstehen" bedeutet nicht nur, über die Täter Bescheid zu wissen, sondern auch zu verstehen, wie die jeweiligen terroristischen Aktionen auf die Bevölkerung und die - teils im direkten Zielfokus stehenden - gesellschaftlichen Institutionen wirkt. Denn entsprechend dem theoretischen Bezugsrahmen ist von einem dynamischen Wechselwirkungsgeschehen zwischen den terroristischen Akteuren, den Instanzen sozialer Kontrolle sowie den politisch-gesellschaftlichen Entscheidungsträgern, den Medien und der Bevölkerung insgesamt auszugehen. Aus diesem Wechselspiel von Aktion und Reaktion heraus erklärt sich die jeweilige Entwicklungsdynamik der unterschiedlichen Terrorismus- bzw. Extremismusarten. Um dieses interaktive Geschehen zu entschlüsseln, sind sozialwissenschaftlich ausgerichtete Forschungszugänge vor dem Hintergrund kriminologischer Theorieansätze unumgänglich. Mit anderen Worten: Eine isolierte Betrachtung terroristischer Gruppierungen unter Ausblendung gesellschaftlicher und kultureller Umfeldbedingungen und phänomenbezogen agierender Akteure griffe zu kurz und brächte eine prekäre Wissensgrundlage hervor, wenn es um die Gestaltung einer adäquaten Sicherheitspolitik geht.
Theoretischer Bezugsrahmen
Angesichts der Komplexität des Phänomens arbeitet die FTE auf der Grundlage eines Modells, das drei Bezugsgrößen umfasst, die gemäß dem gegenwärtigen Forschungsstand als relevant für die Entstehung und Entwicklung wie auch die Beendigung terroristischer Phänomene anzusehen sind:
- Die Person (die agierenden terroristischen Akteure),
- die der jeweiligen Terrorismusart unterlegte Ideologie (das motivational bedeutsame Ideengebäude, welches den Taten unterlegt ist), und
- das jeweilige gesellschaftliche sowie kulturelle Umfeld, aus dem heraus und in dem der Terrorismus geschieht.






