Abteilung "Zentrale kriminalpolizeiliche Dienste" (ZD)
In der Abteilung Zentrale kriminalpolizeiliche Dienste (ZD) sind u.a. der Kriminaldauerdienst des BKA, der Erkennungsdienst sowie operative Einheiten wie z. B. das Mobile Einsatzkommando (MEK) zusammengefasst, aber auch amtsweite Serviceeinrichtungen wie z.B. die Zentrale Asservatenstelle sind hier unterstützend tätig.
Rund um die Uhr laufen im Kriminaldauerdienst (KDD) Nachrichten und Meldungen aus dem In- und Ausland ein, werden bewertet, ggf. mit Informationen aus zentralen Sammlungen bzw. Dateien angereichert und zielgerichtet zur weiteren Sachbearbeitung an die zuständigen Stellen im BKA abgegeben.
Das Taktische Lagezentrum und der Kriminaldauerdienst sind für die Polizeien des Bundes und der Länder, aber auch für unsere Kooperationspartner aus dem Ausland oftmals erster Ansprechpartner. Hier werden auch außerhalb der regulären Dienstzeit erste Maßnahmen eingeleitet, Einsatzkräfte alarmiert oder andere Sicherheitsdienststellen über wichtige Sachverhalte informiert.

Über das Interpol-Netzwerk sind Polizeidienststellen von 188 Staaten unmittelbar miteinander verbunden. Unter der Bezeichnung Interpol Wiesbaden werden - als nationales Zentralbüro für die Internationale Kriminalpolizeiliche Organisation (IKPO-Interpol) - u.a. Informationen zwecks weltweiter Personenfahndung ausgetauscht und alle erforderlichen Maßnahmen zum Aufspüren von Personen im engen Zusammenwirken mit den zuständigen in- und ausländischen Polizei- und Justizdienststellen getroffen.
Der nationale und internationale Informationsaustausch zu Fahndungen im Schengener Informationssystem (SIS), dem europäischen Verbund für Fahndungen nach Personen und Sachen, wird in der Abteilung ZD durch die SIRENE Deutschland (Supplementary Information Request at the National Entry) für die gesamte deutsche Polizei an das In- und Ausland gesteuert. Im Servicecenter Fahndung werden darüber hinaus allgemeine Fahndungsgrundsätze erarbeitet, Öffentlichkeitsfahndungen koordiniert und Fahndungsmaßnahmen unterstützt. Die Redaktion BK-Blattonline gibt Fahndungen und Informationen für die deutsche Polizei heraus.
Für die operative, besonders intensive Fahndung nach einzelnen mit Haftbefehl gesuchten Straftätern setzt das BKA seine Fahndungsexperten der Zielfahndung ein.
Weitere operative Einheiten unterstützen die Ermittler und Fahnder des BKA und anderer Dienststellen des Bundes und der Länder sowie im Einzelfall des Auslandes:

Das Mobile Einsatzkommando (MEK) des BKA ist eine Spezialeinheit, die vornehmlich die Ermittlungs- und Fahndungseinheiten des BKA sowie des Bundes und der Länder durch Observationen und Festnahmen unterstützt.
In Fällen von Entführungen, Geiselnahmen und herausragenden Erpressungen zum Nachteil deutscher Staatsangehöriger oder deutscher Einrichtungen und Institutionen im Ausland werden die Experten der Verhandlungs- und der Beratergruppe (VG, BG) eingeschaltet. Sie unterstützen und beraten die Einsatzleitung sowie andere Behörden, externe Institutionen oder Unternehmen in taktischen, organisatorischen und technischen Fragen. Die BG entwickelt Handlungsstrategien und Beratungskonzepte und erstellt Gefährdungsanalysen. Die VG unterstützt bei Verhandlungen mit der Täterseite und betreut die Familien der Opfer.
Eingebunden in ein Netzwerk nationaler und internationaler Partnerdienststellen entwickelt und veranlasst das BKA auch eigene Maßnahmen für einen umfassenden und wirkungsvollen Schutz von gefährdeten Zeugen, um deren Aussagefähigkeit und Aussagebereitschaft in eigenen Ermittlungsverfahren sicherzustellen.

Die Tatortgruppe schließlich sichert nach schweren Straftaten wie z.B. Terroranschlägen mit modernsten Methoden die Spuren am Tatort im In- und Ausland. Sie ist insofern Service-Dienststelle für das BKA, die Polizeien der Länder sowie im Einzelfall für ausländische Behörden. Außerdem sind in der Tatortgruppe Spezialisten zum Entschärfen von Spreng- und Brandvorrichtungen eingesetzt. Zur Unterstützung des Bundes und der Länder wurde die Zentrale Unterstützungsgruppe des Bundes für gravierende Fälle der nuklearspezifischen Gefahrenabwehr (ZUB) eingerichtet, deren Geschäftsführung dem BKA obliegt. Unter Beteiligung des Bundesamtes für Strahlenschutz, des BKA und der Bundespolizei sind in der ZUB Spezialkräfte organisiert, um in radiologischen Gefahrenlagen dem Bund oder den Ländern polizeiliche Unterstützung zu leisten. Darüber hinaus unterhält das BKA auch für alle übrigen sogenannten ABC-Themenfelder ein wissenschaftliches Expertennetzwerk, das im Bedarfsfall zur polizeilichen Beratung aktiviert wird.

In der Öffentlichkeit wird mit großer Aufmerksamkeit die Arbeit der Identifizierungskommission des BKA (IDKO) wahrgenommen. Sie ist seit den siebziger Jahren im In- und Ausland bei Flugzeugunglücken oder anderen Katastrophen, wie dem Seebeben 2004 in Südost-asien, im Einsatz, um die zuständigen Behörden bei der Identifizierung von Opfern zu unterstützen. Mehr als 120 Spezialisten des BKA und über 70 externe Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen (Rechtsmediziner, Zahnmediziner, psychosoziale Fachkräfte) stehen im Einsatzfall zur Verfügung, um mit Zustimmung des betroffenen Staates schnellstmöglich zur Unglücksstelle entsandt zu werden.
Die Identifizierung von gesuchten Personen ist eine zentrale Aufgabe des Erkennungsdienstes bei ZD. Er stützt sich dabei vor allem auf Vergleichssammlungen mit Lichtbildern, Finger- und Handflächenabdrücken sowie DNA-Analyseergebnissen, die zunehmend in elektronischer Form vorliegen.
Die umfangreiche Kriminalaktensammlung des BKA gibt Auskunft über die kriminelle Vergangenheit von Straftätern.
Mit Hilfe dieser Informationen werden nicht nur Tatverdächtige überführt, sondern auch Unschuldige entlastet und die Bürger vor Wiederholungsstraftätern geschützt.
Derzeit sind Fingerabdrücke von 3,2 Mio. Personen und Handflächenabdrücke von ca. 900.000 Personen im Automatischen Fingerabdruck-Identifizierungs-System (AFIS) gespeichert. Selbst dann, wenn an einem Tatort nur Teile von Finger- oder Handflächenspuren gesichert werden können, führt ein Vergleich im AFIS die Kriminalisten häufig zum Täter. Mit Hilfe eines mobilen Fingerscanners ist es seit Anfang 2006 möglich, vor Ort (z.B. im Streifenwagen) eine schnelle Identifizierung (sogenannte Fast-ID) durch den Abgleich von Fingerabdrücken mit dem AFIS durchzuführen. Bei einem Treffer im AFIS-Gesamtbestand erfolgt die Antwort innerhalb von fünf Minuten.
Bedeutende Erfolge beim Erkennen von Straftätern werden auch mit der beim BKA geführten DNA-Analyse-Datei erzielt, die derzeit mehr als 675.000 Datensätze von Personen und mehr als 170.000 Spurendatensätze enthält. Sie spielt damit für die Identifizierung von Straftätern eine immer größere Rolle. Bereits heute wird mit jeder dritten an einem Tatort gesicherten Spur ein in der DNA-Analyse-Datei gespeicherter Straftäter identifiziert.
Auch auf internationaler Ebene werden zunehmend erkennungsdienstliche Daten zur Identifizierung von Straftätern ausgetauscht. Der "Vertrag von Prüm" beinhaltet u.a. die Möglichkeit, Fingerabdrücke, DNA-Muster und Daten aus dem Kraftfahrzeugregister im Datenbestand der Vertragsstaaten zu recherchieren. Ziel dieses Vertrages ist es, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit insbesondere zur Bekämpfung des Terrorismus, der grenzüberschreitenden Kriminalität und der illegalen Migration zu vertiefen. Im August 2008 wurde der Vertrag von Prüm in den EU-Rechtsrahmen überführt und muss nun innerhalb von drei Jahren von allen EU-Ländern auf nationaler Ebene umgesetzt werden, so dass voraussichtlich ab August 2011 alle europäischen Staaten entsprechende Abfragen durchführen können.
"Last but not least" bedingt internationale Zusammenarbeit Sprachenvielfalt: Die BKA-Beschäftigten werden daher von einem eigenen Sprachendienst unterstützt. Im Rahmen der internationalen Aufgaben und Kontakte des BKA werden hier vielfältige Dolmetscher- und Übersetzungsaufgaben wahrgenommen.






