Abteilung "Kriminaltechnisches Institut" (KT)
Die Aufklärung von Straftaten und die Beweisführung werden durch Erkenntnisse aus Wissenschaft und Technik wesentlich erleichtert - oder vielfach überhaupt erst möglich. Durch erfolgreiche Forschung und mit Hilfe moderner wissenschaftlicher Geräte und Methoden werden Spuren gefunden und ausgewertet, die als objektiver Sachbeweis verlässlicher sein können als Zeugenaussagen oder Geständnisse. Das Kriminaltechnische Institut (KT) im BKA verfügt über die erforderlichen technischen und wissenschaftlichen Einrichtungen, um auf Anforderung von Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichten kriminaltechnische Gutachten zu erstellen und in Strafverfahren vertreten zu können.
Die Arbeit im Institut ist stark geprägt von Forschungsthemen, sei es, um Methoden zu verbessern, den Beweiswert zu erhöhen oder um innovative Antworten auf neue kriminalistische Herausforderungen zu finden. Das BKA erfüllt damit seine Zentralstellen- und Koordinierungsfunktion: Es arbeitet eng mit den Landeskriminalämtern sowie mit kriminaltechnischen Instituten im Ausland zusammen. Auf europäischer Ebene hat sich insbesondere die Zusammenarbeit im Rahmen des 1993 gegründeten Netzwerks europäischer Kriminaltechniken (ENFSI) als wertvoll erwiesen. ENFSI ist ein Verbund der etwa 64 wichtigsten kriminaltechnischen Institute in Europa.
Die Zentralstellenfunktion des BKA dokumentiert sich bei KT in den vorwiegend materialbezogenen Sammlungen sowie Experten- und Informationssystemen. Beispiele wie etwa die Tatmunitionssammlung, das Informationssystem Urkunden (ISU) oder die europäische Autolackdatenbank "European Collection of Automotive Paints" (EUCAP) unterstreichen in anschaulicher Weise die Leistungsfähigkeit der Kriminaltechnik. So lassen sich große Mengen analytischer und materialwissenschaftlicher Information mit langjährigem Erfahrungswissen verknüpfen, um schneller und treffsicherer kriminalistische Fragestellungen zu beantworten. Mit Hilfe von ISU werden die bei den verschiedenen Strafverfolgungsbehörden vorliegenden urkundenrelevanten Sammlungen in einem datenbankbasierten Verbundsystem zusammengeführt. So können echte und gefälschte Urkundenmaterialien (Ausweisdokumente, Führerscheine, Stempel etc.) erfasst und ausgewertet werden. EUCAP dient der Zuordnung von nach Unfallfluchtdelikten am Unfallort vorgefundenen Lacksplittern zu relevanten Automarken, Modellen sowie Baujahren. Möglicherweise am Unfall beteiligte Fahrzeuge können mittels Lackvergleichsuntersuchungen überprüft werden. Über ein Netzwerk der europäischen, US-amerikanischen und kanadischen Kriminaltechnik erfolgt ein internationaler Informationsaustausch. Die weltweit beteiligten Kriminaltechniker leisten durch die Bereitstellung von Analysedaten zu Beschichtungsmaterialien ihren Beitrag für den Ausbau und die ständige Aktualisierung dieser Sammlung.
Die bei der täglichen Arbeit verwendete Munitionssammlung, die zurzeit ca. 5.000 Hülsen und ca. 2.000 Geschosse enthält, dient dem Erkennen von Tatzusammenhängen und der Identifizierung von Tatwaffen. Zusätzlich werden weitere tausende von Munitionsteilen für gezielte Untersuchungen verwahrt. Bei sichergestellter verschossener Munition geht es um die Frage, ob die Tatwaffe bereits bei früheren Delikten verwandt wurde. Daher sucht man bei der Tatmunitionsuntersuchung nach Individualspuren, quasi dem "Fingerabdruck" der Waffe. Aus sichergestellten Waffen gewinnt man die sogenannte Vergleichsmunition und vergleicht diese mit der Sammlung.
In den insgesamt 21 Fachbereichen, die überwiegend auf bestimmte Spurentypen wie Waffen und Munitionsteile, verfälschte Urkunden, Körperflüssigkeiten wie Blut und Speichel, Einbruchspuren oder auf relevante Materialien wie Rauschgifte oder Explosivstoffe spezialisiert sind, werden jedes Jahr etwa 10.000 Untersuchungsaufträge erledigt und daraus hervorgehende Gutachten gegebenenfalls vor Gericht vertreten. Der überwiegende Anteil der Anträge wird mit Hilfe von Sammlungsabgleichen (vor allem im Rahmen der Erkennungsdienste) erledigt. Etwa 10% der Untersuchungsaufträge erfordern fachübergreifende und aufwändige, zuweilen äußerst komplexe Begutachtungen in den Fachbereichen des Kriminaltechnischen Instituts. In besonderen Fällen werden auch Gutachten für Polizeidienststellen und Gerichte anderer Staaten in der ganzen Welt erstellt.
Mit den Erfahrungen der kriminaltechnischen Sachverständigen haben auch ermittlungsbegleitende und präventionsgeprägte Arbeitsfelder einen festen Platz im Kriminaltechnischen Institut eingenommen, so z.B. die Beratungstätigkeiten zur Fälschungssicherheit von Ausweisdokumenten. Kriminaltechniker sind mittlerweile geschätzte Partner bei der (Weiter)-Entwicklung internationaler Reisedokumente und Zugangssysteme, die in Zukunft verstärkt biometrische Merkmale nutzen.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kriminaltechnischen Instituts schulen zudem Polizeiangehörige des In- und Auslandes und unterrichten in Speziallehrgängen für Ermittlungsbeamte. Auch kriminaltechnische Ausstattungs- und Ausbildungshilfen für ausländische Strafverfolgungsbehörden haben eine lange Tradition. Die Nachfrage hat in den letzten Jahren spürbar zugenommen, so dass Institutsangehörige immer häufiger als Berater unterwegs sind.
Einmalig ist die wissenschaftliche Vielfalt des Instituts. Etwa 325 Experten mit mehr als 60 verschiedenen Berufsbildern arbeiten interdisziplinär unter einem Dach zusammen: Vom Büchsenmacher bis zur Linguistin, vom Chemotechniker und Biologen bis zur Mathematikerin.








