ViCLAS - Violent Crime Linkage Analysis System
Analyse-System zum Verknüpfen von Gewaltdelikten in Deutschland
ViCLAS ist das Kürzel für "Violent Crime Linkage Analysis System" und bedeutet auf
deutsch "Analyse-System zum Verknüpfen von Gewaltdelikten". (Da es eine
englische Abkürzung ist, wird es üblicherweise < weicläs >
ausgesprochen.) Es handelt sich dabei um ein Datenbanksystem, welches die
kanadische Polizei entwickelt hat. Es dient vorwiegend dazu, Serienstraftaten
im Bereich der schweren Gewaltkriminalität effektiv und schnell
zusammenzuführen. Dabei wird der kriminalistische Einzelfall auf einen
Serienverdacht hin eingehend überprüft, um damit zur Täteridentifizierung oder
zur Feststellung von Tatzusammenhängen beizutragen.
Das Konzept ViCLAS wurde geschaffen, weil man erkannt hatte, dass es dringend
notwendig ist, bei schwerwiegenden Straftaten später wiedererkennbare und
deliktsübergreifende Fallinformationen polizeilich zuverlässig zu erfassen und
abzuspeichern, damit Tatzusammenhänge auch überregional festgestellt werden
können. Die Erhebung der Falldaten erfolgt mittels eines umfassenden Kataloges
mit 168 Fragen, dem ViCLAS-Erhebungsbogen. Diese standardisierte
Fallbeschreibung soll im Wesentlichen die festgestellten Verhaltensmuster der
bekannten oder unbekannten Straftäter bei ihrer Tatausführung abbilden. Darauf
aufbauend können dann geschulte polizeiliche Fallanalytiker mit gezielten
Recherchen im ViCLAS-System Gemeinsamkeiten zu bereits abgespeicherten Fällen
aufzeigen (Tat-Tat-Zusammenhänge). In geeigneten Fällen wird dabei die
sogenannte "Handschrift" eines Wiederholungstäters identifiziert, was zum
Erkennen weiterer Tat-Täter-Zusammenhänge führen kann. Dies ist dann ein
wichtiges Hilfsmittel bei der Ermittlung und Aufklärung von
Straftaten.
Das Datenbanksystem ViCLAS wurde in Kanada entwickelt und wird dort seit 1995
betrieben. Die zuständige kanadische Behörde, die Royal Canadian Mounted
Police, konnte bei der Entwicklung des Systems vor allem auf die Erfahrungen
des FBI (mit seinem analogen System VICAP) und die der Polizeibehörden in den
amerikanischen Bundesstaaten Washington und Iowa zurückgreifen.
Die kanadische Polizei entwickelte eine moderne Version, die in mehreren Sprachen
verwendbar ist und gab die Software zum Zwecke der Verbesserung der
internationalen Verbrechensbekämpfung weiter. Damit sollen auch die
gefährlichen Serientäter, die mit ihren Straftaten international agieren,
erkannt werden können.
Gemäß einer vertraglichen Vereinbarung ist das Bundeskriminalamt alleiniger
Ansprechpartner der kanadischen Behörden für die Nutzung und Weitergabe der
Software innerhalb Deutschlands. Im BKA wurden die Inhalte von ViCLAS ins
Deutsche übersetzt und dem deutschsprachigen Kulturkreis angepasst. Das BKA
steht in ständigem Austausch mit den kanadischen Behörden und den europäischen
ViCLAS-Anwenderstaaten, um ViCLAS-Belange zu koordinieren.
Weltweit wird das ViCLAS-Datenbanksystem mittlerweile in verschiedenen Staaten
eingesetzt, so in Australien, in Dänemark, Großbritannien, Niederlande,
Österreich, Schweden und in verschiedene Bundesstaaten der USA. Interesse zur
Übernahme des Systems besteht in zahlreichen weiteren Staaten, z. B. der
Tschechischen Republik und der Schweiz.
Für folgende Deliktsbereiche soll ViCLAS eingesetzt werden:
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Tötungsdelikte mit sexuellem, unklarem oder
unbekannten Motiv, sowie sonstige Tötungsdelikte, wenn eine
Gesamtwürdigung (Wiederholungsgefahr und besondere Tatumstände)
eine ViCLAS-Relevanz ergibt. |
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Sexuelle Gewaltdelikte, wenn körperliche
Gewalt angewendet oder angedroht wurde, |
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Vermisstenfälle, wenn die
Gesamtumstände auf ein Verbrechen hindeuten, |
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Verdächtiges Ansprechen von Kindern und
Jugendlichen, wenn versucht wurde, das
Kind mit körperlicher Gewalt unter Kontrolle zu bringen bzw. verbal ein
listiges oder bedrohendes Verhalten gezeigt wurde und versucht wurde,
das Kind an einen anderen Ort zu bringen. |
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Informationen über den Täter, |
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Informationen über das Opfer, |
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Angaben über Täter-Opfer-Beziehung, |
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Informationen über die Tatörtlichkeiten, |
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Angaben zu Verletzungen beim Opfer und zur Todesursache, |
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Angaben zur Vorgehensweise des Täters bei der Tatbegehung, hier insbesondere
sein verbales und physisches Verhalten, |
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Art der verwendeten Waffen und Gegenstände sowie |
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Angaben zu benutzten Fahrzeugen. |
Wie wird die Dateneingabe
organisiert?
Nachdem der ViCLAS-Erhebungsbogen von der sachbearbeitenden Dienststelle ausgefüllt
ist, wird er innerhalb von maximal drei Wochen an die zentrale
Landes-ViCLAS-Einheit (in der Regel LKA, in Bayern PP München)
übersandt.
Die Inhalte des Erhebungsbogens werden dort einer Qualitätsprüfung unterzogen
und anschließend in die ViCLAS-Datenbank eingegeben. Es folgt dann von
geschulten Analytikern eine Recherche im System.
Als Ergebnis dieser Recherche geht der sachbearbeitenden Dienststelle eine
Ergebnismitteilung zu (beispielsweise: Könnte der gemeldete Fall Teil einer
Serie sein oder nicht?).
Die jeweilige Landeszentralstelle gibt die Daten zukünftig online in die
ViCLAS-Datenbank ein; sie sind bei jeder anderen deutschen Landeszentralstelle
abrufbar.
Die ViCLAS-Zentralstelle im Bundeskriminalamt nimmt auf Ersuchen Anfragen im
Ausland vor und recherchiert bei ausländischen Anfragen im deutschen
Gesamtbestand.
Nach einem intensiven konzeptionellen Vorbereitungs- und Abstimmungsprozess, wurde
der AG Kripo eine Konzeption zur Einführung des ViCLAS-Systems vorgelegt. Die
AG Kripo hat am 22. Januar 1999 der Einführung von ViCLAS als neues
Anwendungswerkzeug im Bereich der Recherche, Auswertung und Analyse
zugestimmt.
Die Aufnahme des bundesweiten Wirkbetriebes erfolgte am 07.06.2000.
Das Bundeskriminalamt führt die Beschulung der Mitarbeiter der ViCLAS-Zentralstellen durch.
Weitere Informationen erhalten Sie von:
Bundeskriminalamt
Operative Fallanalyse (OFA)
Fachbereich KI 13
65 173 Wiesbaden
Telefon: (0611) 55 - 0
Telefax: (0611) 55 - 1 18 01
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