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Aktuelle Forschungsinitiativen / -projekte

An und im Auftrag der FTE werden unterschiedliche Projekte zur Unterstützung der Polizeiarbeit durchgeführt.

2016

Entwicklungsmöglichkeiten einer phänomenübergreifend ausgerichteten Prävention politisch motivierter Gewaltkriminalität (PüG)

Es gibt aktuelle Forschungsbefunde zu den Ursachen und Risikofaktoren von politischem Extremismus, die – mit der gebotenen Vorsicht – zu dem Bild zusammengefügt werden können, dass die Verlaufsformen und – dynamiken im Radikalisierungsprozess der verschiedenen Phänomenbereiche grundlegende Gemeinsamkeiten aufweisen. Der individuelle Anschluss an eine (extremistische) Gruppierung und auch Tatbeteiligungen können von unpolitischen Beweggründen mitbestimmt sein: Suche nach Geborgenheit, Lebensorientierung, Anerkennung, Abenteuer oder Macht. Ideologien sind häufig sekundär. Das Leben der Täter ist häufig durch prekäre Lebensbedingungen, enormen Entwicklungsstress und eine problematische Bildungs- und Beschäftigungssituation geprägt und ähnelt damit dem anderer delinquenter Jugendlicher.

Ziel des Projektes ist es zu prüfen, welche Entwicklungsmöglichkeiten einer phänomenübergreifend ausgerichteten Prävention politisch motivierter Gewaltkriminalität vor dem Hintergrund aktueller Forschungserkenntnisse einerseits sowie der bestehenden Erfahrungen der Präventionspraxis andererseits bestehen. Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse wird die Erarbeitung konkreter Handlungsempfehlungen für die kriminalpräventive Praxis angestrebt.

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2015

Analyse der Radikalisierungshintergründe und – verläufe der Personen, die aus islamistischer Motivation in Richtung Syrien oder Irak ausgereist sind

Die Auseinandersetzungen in und um Syrien, die Gründung und versuchte Ausweitung des sogenannten Islamischen Staates (IS) sowie der Kampf gegen eben diese terroristische Organisation sind Themen, die die internationale und nationale Politik weiterhin bestimmen. Diese Themen haben offenbar auch Islamisten weltweit in bisher nicht dagewesenem Maß emotionalisiert und mobilisiert. Auch in Deutschland nutzen vor allem salafistische Einrichtungen und Akteure den Konflikt in Syrien sowie Irak, um ihre extremistische Ideologie zu verbreiten und neue Anhänger zu rekrutieren. Durch die relativ gute Erreichbarkeit Syriens sowie die Möglichkeit, über das Internet Netzwerke aufzubauen und Propaganda effektiver für unterschiedliche Zielgruppen zu platzieren, entwickelte sich eine Sogwirkung, die seit Mitte des Jahres 2012 zu einem massiven Anstieg an islamistisch motivierten Ausreisen in Richtung Syrien oder Irak führte.

Die vorliegende Studie wurde im Auftrag der Innenministerkonferenz gemeinsam vom Bundeskriminalamt, Bundesamt für Verfassungsschutz und Hessischen Informations- und Kompetenzzentrum gegen Extremismus erstellt. Sie informiert über die Radikalisierungshintergründe und -verläufe der bundesweit insgesamt 677 Personen, zu denen den deutschen Innensicherheitsbehörden bekannt ist, dass sie bis Ende Juni 2015 aus islamistischer Motivation aus Deutschland in Richtung Syrien und Irak ausgereist sind oder dies aktiv versucht haben.

In der Untersuchung werden vor allem folgende Aspekte betrachtet:

  • Welche Personen sind bisher aus Deutschland in Richtung Syrien/Irak ausgereist?
  • Welche Faktoren hatten/haben Einfluss auf die Radikalisierung bis zur Ausreise und welche Motive lagen der Ausreise und ggf. der Rückreise zugrunde?
  • Wer hat in Syrien/Irak was gemacht?
  • Wo "stehen" die Rückkehrer?
  • Ist eine veränderte Ausreisedynamik zu beobachten?

Der Aufbau der Studie ist zweigeteilt. In einem ersten Schritt werden die Häufigkeitsverteilungen und Mittelwerte zu den zentralen Merkmalen der Gesamtgruppe von 677 Personen aufgeführt. Hierzu zählen das Alter, der Bildungshintergrund, die Radikalisierungsfaktoren und Ausreise- und Rückreisedaten. Darauf aufbauend werden im zweiten Schritt vergleichende Analysen zwischen unterschiedlichen Teilgruppen angefertigt. Diese Gruppenvergleiche erlauben eine Einschätzung über veränderte Ausreisedynamiken und eröffnen die Möglichkeit, unterschiedliche Einflussfaktoren zu identifizieren und deren Bedeutung für das Radikalisierungsgeschehen näher einzuschätzen.

Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass die Radikalisierungshintergründe der Syrien-Reisenden heterogen sind und die präventiven Bemühungen insofern weiterhin zu diversifizieren sind. Inwieweit sich die in der Studie dokumentierten Veränderungen hinsichtlich einer veränderten Ausreise- sowie Radikalisierungsdynamik insbesondere infolge der Ausrufung des Kalifats im Juni 2014 weiter fortschreiben, bleibt zu beobachten.

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2013

Propaganda 2.0 Psychological Effects of Right-Wing and Islamic Extremist Internet Videos

Wie effektiv sind extremistische Propagandavideos bei der Radikalisierung junger Männer in Deutschland, die nicht in radikalen Milieus verkehren? Wie genau wirkt Propaganda, die über das Internet verbreitet wird? Wer ist besonders anfällig für extremistische propagandistische Botschaften? Und wie sieht extremistische Propaganda im Zeitalter des Web. 2.0 überhaupt aus?
Ein Ziel der neuen Studie war es, Faktoren zu identifizieren, die die emotionalen und kognitiven Effekte von Internetpropaganda auf junge – nicht radikalisierte – Erwachsene steuern. Untersucht wurde die Wirkung von rechten und islamistischen Propagandavideos auf 450 junge, extremismusferne Männer mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und aus unterschiedlichen Bildungskreisen.
Die Studie kommt unter anderem zu folgenden Ergebnissen:

  • Extremistische Propaganda entfaltet wegen ihrer Einbettung in einen spezifischen sozio-kulturellen Kontext eher eine Wirkung in der jeweiligen kulturellen Bezugs- bzw. Referenzgruppe.
  • Die Wirkung scheint umso größer zu sein, je niedriger der Bildungsstand der Rezipienten ist.
  • Eine rechtsorientierte politische Haltung führt zu einer positiveren Bewertung extremistischer Propaganda.
  • Autoritarismus wurde als einziger Einflussfaktor auf Seiten der Persönlichkeitsvariablen identifiziert: Personen mit höher ausgeprägten autoritaristischen Merkmalen beurteilen Propaganda positiver.

Dokumentiert im Band 44 der Reihe Polizei+Forschung: Diana Rieger, Lena Frischlich, Gary Bente [2013] Propaganda 2.0, Psychological Effects of Right-Wing and Islamic Extremist Internet Videos.

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2010

Gewalthandeln linker und rechter militanter Szenen

Das Projekt wurde unter dem Titel "Vergleichende Analyse von Gewaltdelikten der Bereiche PMK rechts und PMK links aller Bundesländer für die Jahre 2006-2009" im Auftrag des BKA vom Sozialwissenschaftler Matthias Mletzko bearbeitet.

Die Ergebnisse zeigen einen bedenklich hohen Anteil lebensbedrohlich eingesetzter rechter Gewalt, bei der es oft lediglich situativen Zufälligkeiten überlassen bleibt, ob das Opfer zu Tode kommt oder nicht. Diese Charakteristik hat sich offenbar seit den 1990er Jahren nicht verändert. Seit 2001 verteilen sich diese schweren Gewaltdelikte etwa zu gleichen Teilen auf die gegen Migranten und Randgruppen gerichtete Hassgewalt und die Konfrontation gegen linke und sonstige Gegner.

Bei der linken Gewalt ist die akute Dimension der Lebensbedrohlichkeit zwar geringer ausgeprägt, sie ist aber durchaus anzutreffen. Auch im linken Phänomenbereich scheint es Kontinuitäten von Tötungsbereitschaften zu geben: Kaum überraschend am häufigsten im eskalationsträchtigen Feld der Konfrontation gegen rechts. Darüber hinaus ist die Polizei am zweithäufigsten betroffen, dies insbesondere wieder in jüngerer Zeit. Auch die Tatsache, dass das Jahr 2009 die seit der PMK-Erfassung höchste Zahl linker versuchter Tötungsdelikte (darunter zwei Sachverhalte mit der Handlungsweise des Stein-/Flaschenwurfs) aufweist und sechs von sieben Delikten gegen die Polizei gerichtet sind, ist beachtenswert.

Die Projektergebnisse sind veröffentlicht in: "Aus Politik und Zeitgeschichte", Nr. 44/2010, S. 9 – 16, online: www.bpb.de/apuz/32409 und, in einer erweiterten Version, auf Französisch in: Revue des sciences sociales, no. 46, 2011, S. 116-125 (die deutsche Version steht als Download zur Verfügung).

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Extremismen in biographischer Perspektive

Obwohl die Themen "Terrorismus" und "Extremismus" zunehmend in den Aufmerksamkeitsfokus von Medien und Politik gerieten, ist die Anzahl empirischer Forschungsstudien immer noch außerordentlich gering. Dies ist nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass sich der Zugang zum Forschungsfeld, welches sich durch einen ausgesprochenen Dunkelfeldcharakter auszeichnet, oft nur schwer zu realisieren ist.

Bisherige Studien fußten daher in erster Linie auf Akten, Gerichtsurteilen oder Fremdaussagen - Daten, die nicht eigens zu Forschungszwecken erhoben wurden und sehr wahrscheinlich nicht die je subjektiv erlebten Wirklichkeiten der Terroristen bzw. Extremisten selbst widerspiegeln. Um jedoch zu verstehen, was Terroristen und Extremisten bewegt und motiviert, ist unumgänglich auch deren Sichtweisen, Deutungszusammenhänge und Interpretationen zu kennen.

In Kooperation mit dem Rhein-Ruhr-Institut der Universität Duisburg-Essen wurden in einer aufwändigen, mehrjährigen Studie 40 männliche Personen mit Bezügen zu politisch bzw. religiös orientierten terroristischen bzw. extremistischen Milieus zu ihren biographischen Verläufen befragt: Was war ausschlaggebend dafür, dass sie sich in extremistische bzw. terroristische Milieus hinein sozialisierten? Was motivierte sie, Straftaten zu begehen? Diesen und weiteren Fragen ging das Projekt gezielt nach. Vor allem aber versuchte es auch, Antworten auf die Frage zu finden, wer die Menschen sind, auf die man hinter der Fassade als "Terrorist" bzw. "Extremist" blickt.

Die Projektergebnisse sind dokumentiert im Band 40 der Reihe Polizei+Forschung, Saskia Lützinger [2010] Die Sicht der Anderen. Eine qualitative Studie zu Biographien von Extremisten und Terroristen.

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2009

NPD-Wahlmobilisierung und politisch motivierte Gewalt. Sachsen und Nordrhein-Westfalen im kontrastiven Vergleich.

Seit Beginn der neunziger Jahre stellt rechte, insbesondere fremdenfeindliche Gewalt einen beträchtlichen Teil des Gesamtaufkommens politisch motivierter Gewaltkriminalität in Deutschland. Auch die Bekämpfung des politischen und lebensstilistischen "Feindes" hat an Gewicht gewonnen.

Ein bedenklich hoher und stabiler Gewaltsockel mit überproportionalen Anteilen der östlichen Bundesländer bestimmt das Bild. Angesichts teils spektakulärer Wahlerfolge auf regionaler Ebene stellt sich die Frage, welche Rolle die radikalisierte Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) bei dem hohen Gewaltaufkommen spielt.

Eine Forschungsgruppe am Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. in Dresden hat für den Zeitraum 2003 bis 2006 untersucht, ob Wechselwirkungen zwischen NPD-Wahlmobilisierungen und dem Gewalthandeln rechts- sowie linksmilitanter Szenen bestehen. Die Studie zieht einen kontrastiven Vergleich zwischen den Bundesländern Sachsen und Nordrhein-Westfalen und geht der Leitfrage mittels quantitativer Analysen der Polizei- und Wahldaten sowie mit qualitativen Untersuchungen (Gerichtsakten, Szeneschriften, Fallstudien zu Räumen gehäufter rechter Gewalttätigkeit, Experteninterviews) nach.

Die Projektergebnisse sind dokumentiert im Band 39 der Reihe Polizei+Forschung, Uwe Backes, Matthias Mletzko, Jan Stoye [2010] NPD-Wahlmobilisierung und politisch motivierte Gewalt.

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