Aktuelle Forschungsinitiativen / -projekte
An und im Auftrag der FTE werden unterschiedliche Projekte zur Unterstützung der Polizeiarbeit durchgeführt. Im Jahr 2009 wurden zwei Forschungsprojekte abgeschlossen:
- Extremismen in biographischer Perspektive (EbiP)
Obwohl die Themen "Terrorismus" und "Extremismus" zunehmend in den Aufmerksamkeitsfokus von Medien und Politik gerieten, ist die Anzahl empirischer Forschungsstudien immer noch außerordentlich gering. Dies ist nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass sich der Zugang zum Forschungsfeld, welches sich durch einen ausgesprochenen Dunkelfeldcharakter auszeichnet, oft nur schwer zu realisieren ist.
Bisherige Studien fußten daher in erster Linie auf Akten, Gerichtsurteilen oder Fremdaussagen - Daten, die nicht eigens zu Forschungszwecken erhoben wurden und sehr wahrscheinlich nicht die je subjektiv erlebten Wirklichkeiten der Terroristen bzw. Extremisten selbst widerspiegeln. Um jedoch zu verstehen, was Terroristen und Extremisten bewegt und motiviert, ist unumgänglich auch deren Sichtweisen, Deutungszusammenhänge und Interpretationen zu kennen.
In Kooperation mit dem Rhein-Ruhr-Institut der Universität Duisburg-Essen wurden in einer aufwändigen, mehrjährigen Studie 40 männliche Personen mit Bezügen zu politisch bzw. religiös orientierten terroristischen bzw. extremistischen Milieus zu ihren biographischen Verläufen befragt: Was war ausschlaggebend dafür, dass sie sich in extremistische bzw. terroristische Milieus hinein sozialisierten? Was motivierte sie, Straftaten zu begehen? Diesen und weiteren Fragen ging das Projekt gezielt nach. Vor allem aber versuchte es auch, Antworten auf die Frage zu finden, wer die Menschen sind, auf die man hinter der Fassade als "Terrorist" bzw. "Extremist" blickt.
Die Projektergebnisse sind dokumentiert im Band 40 der Reihe Polizei+Forschung, Saskia Lützinger [2010] Die Sicht der Anderen. Eine qualitative Studie zu Biographien von Extremisten und Terroristen.
NPD-Wahlmobilisierung und politisch motivierte Gewalt. Sachsen und Nordrhein-Westfalen im kontrastiven Vergleich.
Seit Beginn der neunziger Jahre stellt rechte, insbesondere fremdenfeindliche Gewalt einen beträchtlichen Teil des Gesamtaufkommens politisch motivierter Gewaltkriminalität in Deutschland. Auch die Bekämpfung des politischen und lebensstilistischen "Feindes" hat an Gewicht gewonnen.
Ein bedenklich hoher und stabiler Gewaltsockel mit überproportionalen Anteilen der östlichen Bundesländer bestimmt das Bild. Angesichts teils spektakulärer Wahlerfolge auf regionaler Ebene stellt sich die Frage, welche Rolle die radikalisierte Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) bei dem hohen Gewaltaufkommen spielt.
Eine Forschungsgruppe am Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. in Dresden hat für den Zeitraum 2003 bis 2006 untersucht, ob Wechselwirkungen zwischen NPD-Wahlmobilisierungen und dem Gewalthandeln rechts- sowie linksmilitanter Szenen bestehen. Die Studie zieht einen kontrastiven Vergleich zwischen den Bundesländern Sachsen und Nordrhein-Westfalen und geht der Leitfrage mittels quantitativer Analysen der Polizei- und Wahldaten sowie mit qualitativen Untersuchungen (Gerichtsakten, Szeneschriften, Fallstudien zu Räumen gehäufter rechter Gewalttätigkeit, Experteninterviews) nach.





